
Börsen im Rückwärtsgang
Crash-Angst: Steckt mehr dahinter als eine Korrektur?
18.11.2025 – 12:38 UhrLesedauer: 4 Min.
Anleger ziehen sich zurück, Kurse brechen ein – vor allem bei den Börsenstars der KI-Rally. Ist das nur ein Rücksetzer oder der Beginn einer größeren Korrektur?
Lange Zeit zeigte die Börse Stärke: Seit dem sogenannten Zoll-Crash im April 2025 ging es mit den Kursen stetig bergauf. Vor allem die US-Indizes S&P 500 und Nasdaq legten eine anhaltende Aufwärtsbewegung hin.
Doch zuletzt kippte die Stimmung. Die schwindende Hoffnung auf baldige Zinssenkungen belastet die US-Aktienmärkte. Schon zum Wochenschluss gab es Verluste, und auch die neue Woche startete mit roten Vorzeichen.
Der anhaltende Verkaufsdruck im US-Technologiesektor griff auf Asien und den Dax über. „Der Technologiesektor lässt weiter die vermeintlich heiße Luft ab, die Bären haben für den Moment die Kontrolle auf dem Börsenparkett übernommen“, analysierte Jürgen Molnar von RoboMarkets. Droht jetzt ein echter Bärenmarkt, also ein länger anhaltender Rückgang um mehr als 20 Prozent – oder bietet die Schwächephase eine Gelegenheit für mutige Anleger?
Aussagen von Vertretern der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) haben Zweifel daran aufkommen lassen, dass es im Dezember tatsächlich eine weitere Zinssenkung geben wird. Die Wahrscheinlichkeit für eine Lockerung um 25 Basispunkte wird an den Finanzmärkten nur noch mit etwa 50 Prozent eingeschätzt – vor einer Woche lag sie noch bei rund 70 Prozent. Zuletzt hatte die Fed im September und Oktober 2025 den Leitzins jeweils um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Aktuell liegt das Zinsband bei 3,75 bis 4,00 Prozent.
Besonders Technologiewerte gerieten unter Druck – erneut. Grund ist die Sorge, dass viele sogenannte KI-Aktien (also Unternehmen, die stark vom Trend der Künstlichen Intelligenz profitieren) überbewertet sind. „Die Leute haben die Überbewertung erkannt, sie ist schon eine Weile da, aber jetzt handeln sie endlich entsprechend“, sagte Joe Saluzzi, Mitbegründer von Themis Trading.
Einzelne Titel wie Applied Materials verloren über sieben Prozent. Der US-Chipausrüster leidet unter Exportbeschränkungen nach China und erwartet für 2026 sinkende Investitionen chinesischer Hersteller in Chipanlagen. Auch andere Branchengrößen wie Nvidia, Broadcom, Intel und AMD gerieten unter Druck.
Die Schwäche an der Wall Street zog die asiatischen Börsen mit nach unten. Am Dienstag rutschten die Kurse in Asien auf breiter Front ab. Anleger warteten auf wichtige US-Wirtschaftsdaten, die sich wegen eines Regierungsstillstands verzögerten. Gleichzeitig sanken die Erwartungen an eine Zinssenkung der Fed.
In Tokio verlor der Nikkei-Index 2,6 Prozent und fiel auf 49.033 Punkte. Der breiter gefasste Topix gab um 2,0 Prozent nach. Auch die Börse in Shanghai verzeichnete Verluste: Der Leitindex fiel um 0,6 Prozent, der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen um 0,2 Prozent.