„Maus(s)schelei“ im Block-Prozess

Staatsanwaltschaft im Geheimdienstsumpf


04.04.2026 – 20:33 UhrLesedauer: 5 Min.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen den ehemaligen BND-Präsidenten Hanning und wirft ihm vor, an der Entführung der Block-Kinder beteiligt zu sein. Obwohl die Ermittler schon lange wissen, dass an den Vorwürfen offensichtlich nichts dran ist.

Das Landeskriminalamt in Hamburg hat schon im November 2025 intern festgestellt, dass der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes August Hanning nicht an der Entführung der Kinder der Block-Erbin beteiligt war. Trotzdem ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter gegen den ehemaligen Geheimdienstchef. Das geht aus Akten hervor, die dem Nachrichtenportal t-online vorliegen.

Die Ermittler stützten sich offenbar auf Beschuldigungen durch einen der rätselhaftesten und umstrittensten Privatermittler der vergangenen Jahrzehnte: Wolfgang Mauss, der manchmal auch als deutscher James Bond durch die Medien ging. Doch als Spezialisten der Polizei seine Vorwürfe unter die Lupe nahmen, blieb davon nichts übrig. Gegen Hanning gingen die Ermittlungen einfach weiter.

Die Einschätzung des LKA 63, der Abteilung für Organisierte Kriminalität der Polizei, die Hannings Unschuld nahelegt, stammt aus einem Parallelverfahren. Warum trotz eigener Erkenntnisse, dass kein Verdacht gegen Hanning besteht, weiter gegen Hanning ermittelt wird, konnte die Staatsanwaltschaft t-online nicht beantworten.

Die Vorgeschichte: In der Silvesternacht 2023/2024 wurden die Kinder der Steakhouse-Erbin Christina Block und ihrem Ex-Mann Stephan Hensel aus Dänemark entführt. Zu dieser Zeit lebten die Kinder bei ihrem Vater und wurden offenbar von einem israelischen Kommando zur Mutter nach Hamburg gebracht. Vor dem Landgericht in Hamburg läuft nun schon seit Juli vergangenen Jahres der Prozess gegen Christina Block und ihren Lebenspartner Gerhard Delling. Die Staatsanwaltschaft sieht in Block die mutmaßliche Auftraggeberin der Entführung. Aus der Anklageschrift geht hervor, dass sie maßgeblich an der Planung und Umsetzung beteiligt gewesen sei. Block bestreitet die Vorwürfe.

Aus dieser Entführung der Kinder, die laut Medienberichten stark unter den Geschehnissen leiden, ist inzwischen eine Art Agententhriller geworden. Denn im Laufe der Ermittlungen hat sich ein ausgemusterter Ex-Agent namens Werner Mauss gemeldet. Mauss, 1940 in Essen geboren, arbeitete ab 1965 für das Bundeskriminalamt, den Bundesnachrichtendienst und zeitweise direkt für das Bundeskanzleramt unter Helmut Kohl – stets unter wechselnden Decknamen wie Claus Möllner oder Richard Nelson.

Werner Mauss, der sich selbst als „ersten deutschen Undercoveragenten“ bezeichnet, hat eine lange Geschichte dubioser Methoden hinter sich. Im Fall des Juweliers René Düe — dem Mauss in den 1980er-Jahren mit konstruierten Vorwürfen und illegaler Telefonüberwachung nachstellte — deckte die Staatsanwaltschaft Hildesheim später auf, dass Mauss und beteiligte Beamte von Anfang an gewusst hatten, dass die Grundlage für die Ermittlungen fehlte. Düe gab an, sein Juweliergeschäft sei 1981 überfallen worden. Mauss ermittelte daraufhin im Auftrag der Mannheimer Versicherung gegen ihn mit dem Verdacht, Düe habe den Raub nur vorgetäuscht, um Versicherungsbetrug zu begehen. Düe saß anderthalb Jahre zu Unrecht in Untersuchungshaft. Später soll Mauss fast 14 Millionen Euro Steuern hinterzogen und über Jahre verdeckt Gelder aus einer panamaischen Briefkastenfirma an die CDU geschleust haben.

Share.
Die mobile Version verlassen