„Bart abschneiden reicht nicht“

Bissige Kritik aus der Union an Markus Söder

28.06.2026 – 23:14 UhrLesedauer: 2 Min.

Johannes Winkel während eines TV-Interviews auf dem Bundesparteitag der CDU. (Quelle: IMAGO/Chris Emil Janssen)

Die Regierung bastelt an einer Rentenreform. Kritik daran kommt vor allem aus Bayern. Doch dessen Ministerpräsident gerät nun selbst ins Visier – und zwar gehörig.

Der Chef der Jungen Union, Johannes Winkel, verteidigt die Vorschläge der Rentenkommission gegen Kritik – und er attackiert insbesondere CSU-Chef Markus Söder. Winkel sagte dem Magazin „Stern“: „Die Kommission hat gezeigt, dass man zu einem großen Wurf kommen kann, wenn man unideologisch und an der Sache orientiert arbeitet.“

Dass wünsche er sich auch von Politikern, die schon sehr lange dabei seien, sagte er mit Blick auf den Ministerpräsidenten Bayerns. „Alle müssen jetzt ihrer Verantwortung für das Land gerecht werden, statt eine Rentenreform zu torpedieren, auf die Deutschland seit 30 Jahren wartet“, sagte Winkel und fügte in Anspielung an Söders jüngst verändertes Äußeres hinzu: „Nach vorn gerichtete Politik muss sich also nicht nur den Bart abrasieren, sondern auch mal alte Zöpfe abschneiden.“

CSU-Chef Söder hatte den Vorstoß der Rentenkommission zur weitgehenden Abschaffung von beitragsfreien Minijobs zuvor strikt zurückgewiesen. Söder warnte in drastischen Worten vor Gefahren für die Wirtschaft. Auch aus der SPD war zuvor vor allem Kritik am Aus der Rente mit 63 gekommen, insbesondere von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

Markus Söder (CSU) und Johannes Winkel, JU-Vorsitzender bei einer Veranstaltung in 2025. (Quelle: IMAGO/Chris Emil Janssen)

Der Chef der einflussreichen Nachwuchsorganisation der Union dagegen sagte Friedrich Merz seine Unterstützung bei den anstehenden Reformen zu: „Friedrich Merz kann immer mit unserer vollen Unterstützung rechnen, wenn es darum geht, das Land fit für die Zukunft zu machen“, sagte Winkel. Er bezeichnete die geplante Rentenreform als „Gamechanger“.

Winkel: „Zeit der Kompromisse ist vorbei“

Der Chef der Jungen Union warnte die schwarz-rote Koalition zudem davor, sich auf der gelungenen Arbeit der Rentenkommission auszuruhen. Dies sei „hoffentlich nicht“ der Plan antwortete Winkel auf eine entsprechende Frage. „Die inhaltliche Tiefe und kommunikative Geschlossenheit können vielmehr eine Blaupause dafür sein, dass jetzt die Zeit für große Entscheidungen ist“, sagte Winkel.

Die wichtigste Aufgabe für den Reformgipfel am Mittwoch sei das sinnvolle Schließen der Haushaltslücken für dieses und das kommende Jahr. „Denn eine weitere Lockerung der Schuldenbremse wird es mit uns nicht geben“, drohte der JU-Chef. Zu forderte Winkel eine groß angelegte Steuerreform. „Die Zeit der Formelkompromisse ist vorbei“, sagte Winkel. Deshalb müsse die Entlastung bei deutlich über 20 Milliarden Euro liegen. „Es bringt wenig, eine Steuerreform zu verabschieden, die man im Portemonnaie kaum spürt, um die es aber vorher eine große politische Schlacht gibt.“

Winkel forderte die Regierung um Friedrich Merz auf, von den Erkenntnissen der Rentenkommission zu lernen: „Die Rentenkommission hat gerade gezeigt, was möglich ist, wenn Leute aus ihren parteipolitischen Schützengräben herauskommen.“ Daran sollte man sich auch bei der Einkommenssteuerreform ein Beispiel nehmen. Man könne als Koalition ein Land nicht gegeneinander regieren. „Das ist ein Grund, warum wir in der Koalition viel langsamer vorankommen, als wir könnten.“

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