Ablenkung am Steuer

Kommen die Handyblitzer bald bundesweit?


Aktualisiert am 03.11.2026 – 10:57 UhrLesedauer: 4 Min.

Handy am Steuer: KI-gestützte Kameratechnik kann helfen, Verstöße zu ahnden. (Quelle: Monika Skolimowska/Archiv/dpa)

Wer beim Autofahren aufs Smartphone schaut, legt etliche Meter im Blindflug zurück. Spezielle Systeme könnten bald bundesweit zum Einsatz kommen.

Der Bund könnte den Weg für sogenannte Handyblitzer freimachen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger will sich für eine deutschlandweite Einführung solcher Systeme einsetzen. Der CDU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Mehr als tausend Unfälle passieren jedes Jahr durch elektronische Geräte wie Handys am Steuer – Tendenz steigend. Das ist eindeutig zu viel. Innovative Technologien wie Handyblitzer können erkennen, ob sich ein Fahrer während der Fahrt ablenken lässt und ein Mobiltelefon in der Hand hält. Sie helfen, konsequenter zu ahnden und die Verkehrssicherheit spürbar zu steigern.“

Für eine einheitliche Regelung müsste das Straßenverkehrsgesetz angepasst werden. Bilger verwies dabei auf Rheinland-Pfalz, wo mit sogenannten Monocams bereits Erfahrungen gesammelt wurden. Zuvor hatte die „Rheinische Post“ über ein Papier zur Verkehrsministerkonferenz in Hohenschwangau berichtet. Darin heißt es demnach, das Bundesverkehrsministerium stehe einer Prüfung offen gegenüber, eine bundesgesetzliche Regelung im Straßenverkehrsgesetz zu schaffen.

Wie Handyblitzer funktionieren

Bei dem Monocam-System wird eine hochauflösende Kamera an einer Autobahnbrücke angebracht. Sie ist schräg nach unten gerichtet und fotografiert durch die Frontscheibe in das Fahrzeug hinein. Das System achtet per Künstlicher Intelligenz darauf, ob sich ein Mobiltelefon im Bereich des Fahrenden befindet und ob die Handhaltung dazu passt. Werden beide Kriterien erfüllt, löst die Kamera aus. Anschließend prüfen Polizisten die Aufnahmen.

Monocam: Sogenannte Handyblitzer sind bereits im Testeinsatz. (Quelle: Helmut Fricke/dpa/dpa-bilder)

Damit unterscheidet sich die Technik von klassischen Blitzern. Es geht nicht um Tempoverstöße, sondern um Ablenkung im Innenraum. Sie gilt seit Jahren als schwer kontrollierbar: Ein Handy am Ohr ist für Polizeibeamte noch vergleichsweise gut zu erkennen. Wer dagegen auf dem Schoß tippt oder kurz nach unten schaut, fällt im fließenden Verkehr deutlich seltener auf.

ADAC sieht erhebliches Risiko

Wie verbreitet solche Verstöße sind, zeigt eine Verkehrsbeobachtung des ADAC in fünf deutschen Großstädten. In Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München beobachteten Tester insgesamt 9.573 Autofahrer. Bei 262 von ihnen stellten sie Handyverstöße fest. Das entspricht einer Quote von 2,7 Prozent.

Auf das gesamte Verkehrsaufkommen in Deutschland hochgerechnet, käme der ADAC auf rund eine Milliarde Verstöße pro Jahr. Der Club spricht deshalb von einem erheblichen Risiko für die Verkehrssicherheit. Bei Radfahrern lag die Quote in der Untersuchung mit 1,4 Prozent niedriger.

(Quelle: ADAC)

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Untersuchung des Auto Club Europa. Ehrenamtliche des ACE kontrollierten zwischen April und Juli an mehr als 300 innerörtlichen Kreuzungen bundesweit. Im Durchschnitt wurde bei jedem dreißigsten kontrollierten Fahrzeug ein klar erkennbarer verbotener Smartphonegebrauch am Steuer festgestellt. Das entspricht 3,3 Prozent.

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