Studie belegt aerodynamischen Vorteil

BH-Betrug bei der Tour de France der Frauen?


04.08.2026 – 16:19 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Norwegerin Sigrid Haugset führt aktuell das Gesamt-Klassement bei der Tour de Femmes an. (Quelle: IMAGO/Wart Brinkerhof/Marcel ter Bals/DeFodi Images/imago)

Verschaffen sich Fahrerinnen einen Vorteil beim Zeitfahren durch eine vergrößerte Körperoberfläche im Brustbereich? Was nach einem Widerspruch klingt, belegt ein Professor. Die Organisatoren reagieren.

Bei der Tour de France der Frauen ist eine Kontroverse ausgebrochen. Mehrere Teams werfen Fahrerinnen vor, ihre Oberweite künstlich zu vergrößern, um sich einen aerodynamischen Vorteil für das Zeitfahren am Dienstag zu verschaffen.

Laut „WielerFlits“, einer führenden Radsport-Nachrichtenplattform in den Niederlanden und Belgien, haben „mehrere“ Teams Bedenken geäußert. Fahrerinnen würden ihre BHs polstern, um eine größere Körbchengröße vorzutäuschen.

Der Belgier Bert Blocken, Professor für Aerodynamik, hat zu diesem Thema Studien veröffentlicht. Seine wissenschaftliche Untersuchung mit dem Titel „Analyse von Brust-Verkleidungen im Zeitfahr-Radsport“ ergab, dass optimal angebrachte Polsterungen in den BHs eine Verringerung des Luftwiderstands um 3,6 Prozent bewirken können. Die Studie kam zu dem Schluss, dass „Zeitgewinne durch Brust-Polsterungen darüber entscheiden können, wer ein Zeitfahren gewinnt oder verliert“.

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Zeitgewinn und aerodynamischer Vorteil trotz Vergrößerung der Oberfläche? Das wird möglich, da der Luftstrom während des Zeitfahrens derart verändert wird, dass über mehrere Kilometer ein messbarer Vorteil entsteht. Denn: Beim Zeitfahren nehmen Fahrerinnen eine gebückte Position ein, bei der ihre Unterarme eng über dem Lenker zusammenliegen. Dies schafft ein „Tal“ zwischen Helm, Schultern und Brust. Luft, die in diese Vertiefung strömt, kann turbulent werden, was den Luftwiderstand erhöht. Durch das Hinzufügen von sorgfältig geformten Polstern an der Brust wird die Vorderseite der Fahrerin runder und glatter und kann so den Luftstrom sauber um den Körper leiten.

Blockens kam zu dem Schluss, dass Fahrerinnen eine Verringerung des Luftwiderstands von bis zu 3,6 Prozent erreichen können, wenn sie ein Objekt in optimaler Form verwenden, das die Brust bedeckt. Dies entspricht einer Zeitersparnis von mindestens 0,78 Sekunden pro Kilometer. Beim 21 Kilometer langen Einzelzeitfahren am Dienstag könnte dies theoretisch einem Zeitunterschied von mehr als 16 Sekunden entsprechen.

Blocken schrieb, dass „Radfahrer, Radsportteams und Hersteller von Radsportprodukten ständig nach aerodynamischen Verbesserungen suchen, die der Prüfung durch die Internationale Radsport-Union (UCI) standhalten“. Dem englischen „Telegraph“ bestätigte er, dass ihm Fotos zugeschickt worden seien, die „darauf hinzudeuten scheinen, dass es tatsächlich einige Objekte gibt, die manche Fahrerinnen unter ihrem Trikot befestigen“.

Sowohl die UCI als auch die Tour de France Femmes wurden vor dem Zeitfahren am Dienstag um Stellungnahme gebeten.

BH-Kontroverse erinnert an „Penis-Affäre“

Die künstliche Veränderung von Kleidung ist durch die UCI verboten. Wenn eine Fahrerin während oder nach einem Rennen erwischt wird, droht ihr die sofortige Disqualifikation und eine Geldstrafe zwischen 200 (214 Euro) und 1.000 Schweizer Franken (1.073 Euro).

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