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Düstere Stimmung: Landwirte sorgen sich um ihre Zukunft
Aktualisiert am 19.01.2026 – 19:05 UhrLesedauer: 4 Min.
Viele Bauern in Deutschland geben ihre Betriebe auf. Preise, Bürokratie und Politik belasten das Geschäft. Eine neue Auswertung zeigt, wie tief verunsichert die Branche ist.
Die Sorgen der Landwirte nehmen spürbar zu. Wie das neue Agrarbarometer der Rentenbank zeigt, das t-online exklusiv vorliegt, ist die Stimmung auf den niedrigsten Wert seit Ende 2021 gefallen (minus 2,4 Punkte). Dabei steht die Landwirtschaft derzeit nicht vor einem akuten wirtschaftlichen Einbruch. 73 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre aktuelle Lage als befriedigend oder besser. Doch fast jeder zweite Landwirt rechnet damit, dass sich die wirtschaftliche Situation verschlechtern wird. Die Erwartungen der Betriebe für die nächsten zwei bis drei Jahre liegen auf einem Tiefpunkt (minus 4,6 Punkte).
Die Branche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ist seit dem Jahr 2000 um mehr als 44 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt mit. Zurück bleiben weniger, dafür größere und kapitalintensivere Höfe. Dieser Strukturwandel hat sich zuletzt zwar verlangsamt, doch weiterhin geben jedes Jahr viele Bauern auf. Diese wirtschaftliche Realität bildet den Hintergrund für die wachsende Verunsicherung, die sich im Agrarbarometer niederschlägt.
Die Ergebnisse offenbaren eine Spaltung innerhalb der Landwirtschaft. Ackerbaubetriebe bewerten ihre aktuelle Lage im Durchschnitt schlecht (minus 2,1 Punkte). Sie leiden unter niedrigen Getreidepreisen und Druck durch Importe. 44 Prozent der Landwirte mit negativer Einschätzung nennen die Verkaufspreise für pflanzliche Erzeugnisse als zentralen Grund.
Tierhaltende Betriebe schneiden dagegen besser ab. Rinder- und Milchviehhalter bewerten ihre Lage mit plus 3,1 Punkten, Schweine- und Geflügelhalter mit plus 0,4 Punkten. Das liegt an den hohen Erlösen für tierische Produkte. 48 Prozent der Landwirte mit positiver Einschätzung nannten die Verkaufspreise für tierische Erzeugnisse als Grund für ihre gute wirtschaftliche Lage.
Rinder- und Milchviehhalter verfügen derzeit über die solideste Ausgangslage. Auch bei der Liquidität liegen sie mit plus 4,4 Punkten deutlich vor dem Ackerbau. Dennoch blicken sie am sorgenvollsten in die Zukunft. Für die kommenden Jahre bewerten Milchvieh- und Rinderhalter ihre Perspektive am schlechtesten.
Das hängt wohl auch mit den stark schwankenden Preisen für Milchprodukte zusammen. So senkten Discounter den Preis für Butter im vergangenen Weihnachtsgeschäft auf 99 Cent pro Packung. Milchbauern protestierten daraufhin vor Zentrallagern des Handels und warnten vor einem neuen Preiskampf.