Stadtgeschichte

Nur 16 Meter lang: Das ist Berlins kürzeste Straße

07.07.2026 – 14:55 UhrLesedauer: 2 Min.

Der Nikolaikirchplatz in Berlin (Archivbild): Hier befindet sich die kürzeste Straße Berlins. (Quelle: IMAGO/Schoening/imago)

Eine Straße verbindet auf wenigen Schritten den Nikolaikirchplatz mit dem Mühlendamm – ihr Name geht auf Händler zurück, die im 17. Jahrhundert vom Molkenmarkt verdrängt wurden.

Wer durch das Nikolaiviertel läuft, passiert Berlins kürzeste Straße oft, ohne es zu merken. Die Eiergasse misst nur 16 Meter und verbindet den Nikolaikirchplatz mit dem Mühlendamm – ihr Name erinnert an einen Handel, der hier vor fast 400 Jahren begann.

Wie es dazu kam, ist nicht vollständig gesichert. Eine verbreitete Überlieferung besagt, dass Kurfürst Friedrich Wilhelm 1650 anordnete, das Warenangebot auf dem überfüllten Molkenmarkt aufzuteilen. Daraufhin sollen die Eierhändler in die kleine Gasse gegenüber umgezogen sein. Eine nüchternere Version lautet schlicht: Der Platz wurde knapp, die Händler mussten ausweichen. Beide Erklärungen kursieren, eine historisch gesicherte Quelle gibt es für keine von beiden.

Nikolaus Struck betreibt seit mehr als 20 Jahren ein Antiquariat unweit der Eiergasse und handelt mit alten Grafiken und Landkarten. Auf historischen Stadtplänen tauche die Gasse nicht immer auf – sie sei schlicht zu kurz, um verzeichnet zu werden, sagte er gegenüber Deutschlandfunk Kultur. Wer genau suche, finde sie dennoch: auf alten Berlin-Karten, direkt neben dem Molkenmarkt.

Beliebtes Fotomotiv – die Eiergasse

Das Viertel selbst ist ein Produkt des Wiederaufbaus. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Nikolaiviertel weitgehend zerstört. Erst 1984 begann die DDR-Regierung, es nach historischem Vorbild neu zu errichten – zur 750-Jahr-Feier Berlins. Struck schätzt, dass rund 95 Prozent des heutigen Bestands Neubauten sind. Auch die Eiergasse und die Nikolaikirche, die als Ruine stand, entstanden damals neu.

Seit dem Mauerfall hat sich die Gegend weiter verändert. Gastronomie und Einzelhandel richten sich zunehmend an ein jüngeres Publikum, ältere Betriebe verschwinden. Struck ist nach eigenen Angaben eines von nur noch zwei Geschäften in Berlin, die intensiv mit alten Stichen und Grafiken handeln. Als er vor zwei Jahrzehnten in die Eiergasse zog, gab es nach seiner Aussage noch fünf bis sieben solcher Läden in der Stadt. Die Eiergasse selbst ist heute vor allem ein Fotomotiv.

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