Berliner Patientin erhält neues Medikament Donanemab

Jacqueline Kretschmann befindet sich nach Einschätzung von Buthut im Bereich einer leichtgradigen Demenz. Die 57-Jährige ist noch ziemlich fit. 90 bis 95 Prozent aller Dinge könne sie noch alleine machen, sagt ihr Mann, der 68 ist. Einkaufen falle ihr aber zum Beispiel zunehmend schwer, Orientierung sei ein Problem, gewohnte Tätigkeiten dauerten länger. Und es gebe immer wieder Gedächtnislücken. Als sie auf einem Schreiben das aktuelle Datum notieren soll, muss ihr Mann helfen. Welcher Tag? Welcher Monat? Welches Jahr?

Auch den letzten Urlaub an Silvester hat sie kurz wieder vergessen, das Jahr ihrer Hochzeit kann sie nach langem Grübeln zumindest ungefähr nennen. Wenn sie erzählt, muss sie manchmal länger nachdenken und nach den richtigen Worten suchen. Geduldig lässt ihr Mann sie immer erst selbst überlegen, bevor er hilft. Manchmal zieht er sie liebevoll damit auf, wenn sie sich an etwas nicht erinnert. Von der Alzheimer Gesellschaft in Berlin bekommt das Paar Unterstützung. Der Verein bietet psychosoziale Beratungen, Angehörigengruppen, Schulungen und die Vermittlung ehrenamtlicher Helfer an.

Kretschmann musste zahlreiche Tests und Untersuchungen durchlaufen, bis sicher war, dass sie eine Therapie mit Donanemab beginnen kann. Zu den Risiken beider Medikamente zählen Veränderungen im Gehirn, etwa Ödeme oder Mikroblutungen. Das Risiko sei bei Donanemab höher, sagt Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Zudem weisen bisherige Analysen darauf hin, dass die Wirksamkeit bei Frauen teils geringer ausfallen könnte als bei Männern.

Damit Veränderungen früh erkannt werden, muss Kretschmann während der Behandlungszeit regelmäßig ein MRT machen lassen. Trotz ihrer zarten Figur wirkt die Berlinerin außerordentlich robust. Sie ist fröhlich, lacht viel und wirkt lebensfroh. „Meine Frau macht eben alles, was möglich ist. Immer furchtlos und optimistisch“, sagt ihr Mann. Wie das Medikament bei ihr wirke, bleibe abzuwarten, sagt Kretschmann. „Mir bleibt ja nüscht anderes übrig“, sagt sie im feinsten Berliner Dialekt. Auch sonst nimmt sie alles stoisch hin, so scheint es. Auf die Frage, ob sie vor irgendetwas in der Zukunft Angst habe, antwortet sie voller Überzeugung mit „Nö!“. Sie versuche, stets positiv zu bleiben. „Was kommt, kommt.“

Dass nicht alles immer leicht ist, merkt man dann aber doch in einigen Momenten. Als es darum geht, wie sie die Alzheimer-Diagnose vor vier Jahren aufgenommen habe, reagiert Kretschmann erst fast ein bisschen trotzig: „Ach, wir haben die angenommen, ganz einfach.“ Ihr Mann wendet ein: „Na ja, es war schon niederschmetternd. Du hast geweint.“ Sofort füllen sich die Augen seiner Frau jetzt mit Tränen. Sie kann nicht mehr weitersprechen, wirkt tieftraurig. Auch als es darum geht, wie viele Jahre ihr noch bleiben könnten, muss sie fast weinen.

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