Weltbester Nahverkehr?

Berlin blamiert sich in neuem Ranking


Aktualisiert am 01.04.2025 – 14:48 UhrLesedauer: 3 Min.

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Bitte nicht einsteigen: Berlins Nahverkehr galt als der beste der Welt. Aber das ist lange her. (Quelle: IMAGO/rolf kremming)

Pünktlich, sauber, sicher – und fast alle sind zufrieden: Es gibt Städte, die zeigen, wie guter Nahverkehr geht. Die sind allerdings weit weg.

Der öffentliche Verkehr ist das Rückgrat einer modernen Stadt. Er bringt Millionen Menschen schnell und günstig ans Ziel – oder sollte es zumindest. Wer in Berlin auf verspätete S-Bahnen wartet oder sich in London durch die überfüllte U-Bahn quetscht, weiß: Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft auseinander. Es gibt aber Städte, die es besser machen. Viel besser.

Eine Umfrage des Stadtführer-Riesen „Time Out“ mit 18.500 Teilnehmern aus über 50 Ländern zeigt, wo der öffentliche Nahverkehr tadellos funktioniert – und wo er versagt: Ist es einfach, sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der Heimatstadt fortzubewegen? Wie zuverlässig sind sie, wie komfortabel – und wie sicher?

Das Besondere an der Befragung: Um den Touristen die bestmögliche Einschätzung zu geben, richtete sich die Befragung ausschließlich an die Einwohner der jeweiligen Stadt. Denn die sollten es am besten wissen.

Das Ergebnis ist eine laute Klatsche für Europas Nahverkehr.

Hongkong (chinesische Sonderverwaltungsregion) ist ungeschlagen. 98 Prozent der Befragten loben den öffentlichen Nahverkehr. Die U-Bahn (MTR), das Rückgrat der Stadt, ist pünktlich, sauber und sicher. Hinzu kommen klimatisierte Busse, Minibusse und die nostalgischen Doppeldecker-Straßenbahnen.

Auch Shanghai (China) macht vor, wie Nahverkehr geht: 20 Metrolinien, 800 Kilometer Streckennetz, 94 Prozent Zustimmung. Hinzu kommen 2.000 Buslinien (inklusive der Vororte) und der schwebende Maglev-Zug (430 km/h Spitze), der den Flughafen mit der Stadt verbindet.

Immerhin 91 Prozent loben auch Pekings Nahverkehr (China). Mit 1.200 Buslinien und 27 U-Bahn-Linien sowie unzähligen Taxis haben die 22 Millionen Einwohner jede Menge Auswahl. Außerdem tut Peking viel für den Radverkehr.

Während in Asien Milliarden in Nahverkehrssysteme fließen, rosten in Europa die Schienen. Zwar schaffen es London und Wien unter die Top Ten. Aber Berlin, vor zwei Jahren noch auf Platz eins, fehlt ganz.

Der Grund: Pannen, Verspätungen, marode Infrastruktur. Was einst als Vorbild galt, ist heute ein Problemfall.

Während Europa sich mit Baustellen, Streiks und Sanierungsstau quält, investiert Asien in Perfektion. Die Umfrage zeigt: Wer wissen will, wie öffentlicher Nahverkehr funktioniert, muss nach Hongkong oder Shanghai schauen – nicht nach Berlin.

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