Zweiter Berliner Patient

Einer von 13 weltweit: So wurde Thomas Kahlert von HIV geheilt

15.10.2026 – 05:56 UhrLesedauer: 3 Min.

Thomas Kahlert: Der sogenannte zweite Berliner Patient gilt als von HIV geheilt. (Quelle: Sven Kaeuler/dpa/dpa-bilder)

Das BeCURE soll Wege zur Heilung oder Kontrolle von HIV erforschen. Thomas Kahlert gilt als geheilt, doch das Verfahren ist laut Gaebler kaum übertragbar.

Die Berliner Charité hat das HIV-Heilungsforschungszentrum BeCURE eröffnet, zu dem auch das Brown-Kahlert-Studienzentrum gehört. Die Eröffnung fiel auf den Tag elf Jahre nach der Stammzelltransplantation von Thomas Kahlert. Er wurde als „Zweiter Berliner Patient“ bekannt und gilt als von HIV geheilt. Der 62-Jährige arbeitet seit 38 Jahren an der Charité und äußerte sich bei der Eröffnung. Es gehe ihm „sehr gut“, sagte er.

Im BeCURE sollen laut Charité Strategien zur Heilung oder dauerhaften Kontrolle von HIV und anderen Viruserkrankungen entwickelt werden. Nach Angaben von BeCURE-Direktor Christian Gaebler sollen dort Grundlagenforschung, klinische Forschung, qualitative und soziale Verhaltensforschung, Community-Einbindung und Datenanalyse zusammenkommen. Gaebler war auch federführend an Kahlerts Heilung beteiligt. Viele Erkenntnisse aus der HIV-Forschung seien auf andere chronische Viruserkrankungen übertragbar, etwa auf Hepatitis B.

Kahlert ist einer von nur 13 Menschen auf der ganzen Welt

Kahlert zählt zu den 13 Menschen weltweit, die als von HIV geheilt gelten. Bei ihm wurde 2009 bei einer Routineuntersuchung HIV festgestellt, 2015 kam eine akute myeloische Leukämie hinzu, eine Form von Blutkrebs. Neben einer Chemotherapie war eine Stammzelltransplantation nötig. Am 14. Oktober 2015 erhielt er Stammzellen einer gesunden Spenderin samt deren Immunsystem. Seitdem sind weder HI-Viren noch Krebszellen feststellbar.

Der Ansatz unterschied sich von dem beim ersten „Berliner Patienten“, der 2008 an der Charité als weltweit erster Mensch von HIV geheilt wurde. Dessen Spender passte nicht nur bei den Gewebeeigenschaften, er trug auch die sogenannte Delta-32-Mutation. Sie verhindert, dass das Virus an den CCR5-Rezeptoren der Immunzellen andocken und eindringen kann. Betroffene gelten als natürlicherweise immun gegen HIV. Nach Angaben der Charité hat etwa ein Prozent der europäischstämmigen Bevölkerung diese Mutation.

Berliner Patient setzte HIV-Therapie gegen Rat des Arztes ab

Für Kahlert fand sich keine geeignete HIV-immune Person als Spender. Seine Spenderin trägt auf ihren Zellen sowohl die normale als auch die mutierte Version des Rezeptors, sie ist heterozygot. Das ist der Fall, wenn ein Mensch die Mutation nur von einem Elternteil erbt. Auch Kahlert ist heterozygot.

Nach der Spende erhielt Kahlert zusätzlich eine antiretrovirale Therapie, die die weitere Produktion des Virus verhindert. Drei Jahre nach der Transplantation setzte er sie aus eigener Entscheidung und entgegen dem Rat seines damaligen Arztes ab. Seitdem wurden keine Hinweise auf eine erneute Virusvermehrung gefunden. Die Forscher seien damals überrascht gewesen, er selbst sei überzeugt gewesen: „Ich hab’s einfach gefühlt.“ Außerdem habe er wissen wollen, ob sich die Anstrengungen gelohnt haben.

Gaebler sagte, das Verfahren mit Stammzelltransplantation könne gelingen, wenn zugleich eine Krebsdiagnose vorliege. Auf eine große Masse sei es aber nicht übertragbar, weil die Risiken bei einer Person, die mit HIV lebe und therapiert werden könne, nicht vertretbar seien. Alle 13 bislang Geheilten erhielten eine Stammzelltransplantation. „Das Ziel muss es sein, dass wir Wege finden, die ohne diese Stammzelltransplantation in die Breite übertragen werden können“, sagte Gaebler.

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