
Amerika ist zwar mit 15,6 Millionen Neuzulassungen nur noch die Nummer 2 auf der Welt. Aber dafür haben sie dort eine Nummer 1, deren Status so unantastbar ist wie die Rocky Mountains. Denn seit Generationen schon führt der Ford F-150 die Zulassungsstatistik an und ist im kollektiven Bewusstsein so tief verankert wie bei uns der Golf. Allein im letzten Jahr hat Ford davon über 800.000 Exemplare verkauft und mal wieder den Chevrolet Silverado weit hinter sich gelassen. Von gewöhnlichen SUV oder gar klassischen Pkw ganz zu schweigen.
Warum? Weil Pick-ups in den USA alles können: arbeiten, reisen, repräsentieren. Die F-Series gibt es deshalb als nacktes Baustellenfahrzeug ebenso wie als luxuriösen Lifestyle-Truck mit Ledersitzen und Großbildschirm. Flottenkunden, Farmer, Handwerker und Privatkäufer greifen gleichermaßen zu. Dazu kommt ein emotionaler Faktor: Der F-150 ist für viele Amerikaner weniger Modell als Institution. Er ist Teil des Selbstbildes – kraftvoll, praktisch, groß. Eigenschaften, die ihn in Europa unverkäuflich machen, sind dort sein Erfolgsrezept.
Indien ist so etwas wie der schlafende Riese im automobilen Kosmos, der boomende Markt, bei dem jeder auf den Boom wartet. Zwar gibt es dort kein explosives Wachstum wie lange Zeit in China, aber dafür ein kontinuierliches, und mittlerweile steht der Subkontinent mit über fünf Millionen Neuzulassungen solide auf Platz drei der Weltrangliste. Trotzdem kennt kaum jemand die Autos, mit denen dieses Wachstum gelungen ist.
Dass Maruti Suzuki den Markt dominiert, hat sich herumgesprochen. Dass die Koreaner dort gut im Geschäft sind und dass es auch für den VW-Konzern dort gut läuft, seit Skoda den Hut aufhat, ist ebenfalls bekannt. Aber wer kennt schon den Suzuki Dzire? Dabei ist die kleine Limousine, deren Name phonetisch an das ungestillte Verlangen der aufsteigenden Mittelschicht appelliert, mit über 200.000 Einheiten knapp vor SUV-Konkurrenten wie Hyundai Creta oder Tata Nexon der Bestseller in Delhi und Mumbai.
Als klassisches Stufenheck auf Kleinwagenbasis kommt er aus einer Gattung, die in Europa fast ausgestorben ist. In Indien dagegen steht die Limousine für Aufstieg: mehr Platz, mehr Status, aber immer noch erschwinglich. Robustheit, einfache Technik und ein riesiges Servicenetz machen ihn zur sicheren Wahl für Erstkäufer.