Der Nahverkehr stößt an seine Grenzen: Ausfälle, Ersatzbusse und überfüllte Züge. Eine Geduldsprobe für Pendler.

Wer im Rhein-Main-Gebiet mit S- und Regionalbahn unterwegs ist, braucht ohnehin schon starke Nerven. Doch die aktuellen Einschränkungen durch Bauarbeiten rund um Mainz machen die Fahrt mit dem ÖPNV für Tausende Pendler nicht nur zur Geduldsprobe. Nein, sie sind vielerorts kaum noch zumutbar.

Fahrten, die funktionieren, sind eher die Ausnahme als die Regel. Ein Beispiel aus eigener Erfahrung. Abendliche Ankunft am Flughafen Frankfurt. Dort ein Blick in die Bahn-App. Ergebnis: S-Bahn? Ist nicht. Alternative: Ersatzbus.

Die Fahrt dauert doppelt so lange. Das wäre vielleicht hinnehmbar, wenn der Bus wenigstens leicht zu finden wäre. Doch am Regionalbahnhof fehlen klare Hinweise. Erst am Fernbahnhof weisen ein Schild und ein Aufdruck auf der Tür den Weg zur Haltestelle. Dort stehen bereits Reisende, die den ersten Bus gar nicht nehmen konnten, weil er überfüllt war.

Solche Situationen sind kein Einzelfall. Kaum eine Fahrt verläuft derzeit nach Plan. Züge fallen aus, S-Bahnen sind überfüllt, der Ersatzverkehr ist unübersichtlich. Verbindungen – etwa zwischen Wiesbaden, Mainz und dem Flughafen – sind faktisch gekappt oder nur noch über umständliche Umwege erreichbar.

Dass gebaut werden muss, steht außer Frage. Die Deutsche Bahn baut seit Dezember am Knoten Mainz, zahlreiche Strecken sind bis mindestens Mitte Mai betroffen. Teilweise kommt es zu Sperrungen, eingleisigem Betrieb und sogar Totalsperren wie auf der Kaiserbrücke zwischen Mainz und Wiesbaden.

Wenn man bei der vielen Bauerei doch wenigstens das Gefühl hätte, dass es jetzt richtig vorangeht. Dass so viele Maßnahmen gleichzeitig nötig sind, zeigt aber lediglich eines: wie sehr die Infrastruktur über Jahre vernachlässigt wurde. Was jetzt passiert, ist kein Zeichen von Fortschritt, sondern von dringendem Sanierungsbedarf.

Hinzu kommt noch ein ungutes Gefühl: Die Bahn betont bei jeder Gelegenheit, Fahrgäste blieben trotz der Einschränkungen mobil. In der Realität stranden viele am Bahnhof, suchen verzweifelt Ersatzbusse oder quetschen sich in überfüllte Fahrzeuge. Zwischen offizieller Kommunikation und tatsächlichem Erleben klafft eine Lücke, die das Vertrauen weiter untergräbt.

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