Wegen grober Fahrlässigkeit

Wenn bei Betrug die Bank nicht zahlt


22.04.2026 – 14:41 UhrLesedauer: 3 Min.

Paar in Sorge (Symbolbild): Verbraucherschützer verlangen strengere Gesetze, damit Kunden nicht länger auf Betrugsschäden sitzen bleiben. (Quelle: LordHenriVoton)

Betrüger räumen Konten leer, doch viele Banken zahlen nicht. Verbraucherschützer fordern harte Konsequenzen und ein Ende pauschaler Schuldzuweisungen.

Wer Opfer von Kontobetrug wird, bleibt oft auf dem Schaden sitzen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung eines Verbraucheraufrufs des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Banken und Zahlungsdienstleister werfen Betroffenen immer wieder pauschal grobe Fahrlässigkeit vor und verweigern so die gesetzlich vorgesehene Erstattung nicht autorisierter Zahlungen.

Für Verbraucher bedeutet das eine doppelte Belastung: erst der finanzielle Verlust, dann der Streit mit der Bank. Doch statt unbürokratischer Hilfe stoßen viele Betroffene auf Widerstand. Genau das kritisieren Verbraucherschützer scharf.

Verbraucherschützer warnen: Anspruch bleibt oft Theorie

Der vzbv fordert, dass Banken die gesetzliche Rückerstattungspflicht konsequent umsetzen. Denn eigentlich ist die Lage klar: Nicht autorisierte Zahlungen – also Abbuchungen, denen Sie nicht zugestimmt haben – müssen erstattet werden. „Dennoch schieben viele Banken die Verantwortung auf ihre Kundschaft ab“, kritisiert Ramona Pop, Vorständin des vzbv.

Laut Verbraucherschützern stehen Betroffene nach einem Betrugsfall ohnehin unter Druck. Die Situation verschärft sich zusätzlich, wenn Banken und Sparkassen mit grober Fahrlässigkeit argumentieren. Vereinfacht gesagt, liegt diese vor, wenn jemand besonders leichtsinnig gehandelt hat, beispielsweise durch die Weitergabe von Zugangsdaten.

Pop fordert daher klare Regeln: „Verbraucher brauchen einen Zahlungsverkehr, der fair, transparent und rechtssicher funktioniert. Der Gesetzgeber muss jetzt handeln, damit aus dem gesetzlichen Anspruch auf Erstattung auch echte Praxis wird.“

Immer raffiniertere Betrugsmaschen treffen Verbraucher

Aktuelle Daten einer Studie von Biocatch, einem auf Betrugserkennung im Onlinebanking spezialisierten Unternehmen, zeigen: Kunden werden immer häufiger Opfer von Betrug, und Banken sehen sich wachsenden Angriffen ausgesetzt.

Mathias Schollmeyer, Experte für Betrugs- und Finanzkriminalität bei Biocatch, führt diese Entwicklung auf neue Angriffsmethoden und die zunehmende Verbreitung von Echtzeitzahlungen zurück. Bei diesen Überweisungen wird Geld in Sekunden transferiert – eine Rückholung ist dann kaum noch möglich.

„Die überwältigende Mehrheit der Betrugsfälle richte sich gegen das schwächste Glied der Kette – und das sind leider die Bankkunden“, sagt Schollmeyer.

Die Täter setzen gezielt auf sogenanntes Social Engineering. Dabei manipulieren sie ihre Opfer, etwa durch gefälschte E-Mails (Phishing), täuschend echte Webseiten oder Anrufe angeblicher Bankmitarbeiter. Viele Betroffene erkennen den Betrug erst, wenn das Geld bereits weg ist.

Hinzu kommt: Die tatsächliche Zahl der Fälle dürfte deutlich höher liegen. Denn laut Experten melden viele Opfer den Betrug aus Scham nicht.

Milliardenverluste – und oft bleiben Kunden darauf sitzen

Die finanziellen Schäden sind enorm. Laut Verbraucherschützern summierte sich der Betrug im Jahr 2025 auf 10,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen die bei den Verbraucherzentralen eingegangenen Beschwerden zu Cyberkriminalität im Finanzbereich um 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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