Bafin untersagt Rabattmodell
Totalverlust mit Gold: Hier ist das Risiko sehr hoch
28.04.2026 – 15:18 UhrLesedauer: 4 Min.

Billiges Gold – aber erst in der Zukunft? Beim Goldkauf mit späterer Lieferung tragen die Anleger das volle Risiko. Nun zieht die Bafin die Reißleine.
Gold gilt für viele Anleger als sichere Wertanlage, gerade in unsicheren Zeiten. Wer in das Edelmetall investiert, setzt auf Stabilität und den physischen Besitz als Absicherung. Gleichzeitig lassen sich viele von vermeintlich attraktiven Angeboten und geschickter Werbung beeinflussen und übersehen dabei die Risiken.
Nun hat die deutsche Finanzaufsicht Bafin dem Goldhändler TGI AG mit Sitz in Vaduz (Liechtenstein) untersagt, bestimmte Angebote in Deutschland öffentlich zu vertreiben. Betroffen sind sogenannte Rabattmodelle, bei denen Kunden Geld einzahlen, dafür Zinsen erhalten sollen und das Gold erst später bekommen. Für die Bafin ist klar: Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Goldkauf, sondern um eine regulierte Vermögensanlage.
Doch wie genau funktioniert dieses Rabattmodell und warum kann es für Anleger so riskant werden?
Hohe Rabatte, große Zweifel
Die TGI AG wirbt seit Längerem mit sogenannten Rabattmodellen. Dabei verspricht das Unternehmen Preisnachlässe von bis zu 72 Prozent auf physisches Gold, allerdings nur bei späterer Lieferung. Nach eigenen Angaben erhalten Kunden für jeden Monat des Lieferaufschubs zusätzliche Rabatte von zwei bis drei Prozent. Je länger sie warten, desto günstiger soll das Gold werden.
Finanzaufsichtsbehörden in Deutschland und Österreich beobachten dieses Geschäftsmodell schon länger kritisch. Sie warnen vor fehlenden Verkaufsprospekten und möglichen Verstößen gegen das Vermögensanlagengesetz.
Prominente Werbung soll Vertrauen schaffen
Um Vertrauen zu gewinnen, setzt das Unternehmen stark auf Marketing, auch mit prominenten Gesichtern. So trat beispielsweise das Model Naomi Campbell am 16. April nur ein paar Tage vor dem Verbot bei einer von TGI organisierten Veranstaltung in Wien als DJane auf. Initiiert wurde das Event von Katarina Kaltenegger, der Ehefrau des TGI-Inhabers Helmut Kaltenegger.
Auch der deutsche Comedian und Moderator Oliver Pocher wirbt öffentlich für das Rabattmodell. In Social-Media-Videos inszeniert er sich als interessierter Käufer und stellt das Angebot als besonders attraktiv dar. Dabei suggeriert er, Gold deutlich unter Marktpreis erwerben zu können – etwa 50 Gramm für rund 2.000 statt üblicherweise etwa 7.000 Euro.
„Geheimnisvolle Rohstoffquellen“ werfen Fragen auf
Wie solche Preisunterschiede möglich sein sollen, wollte die SWR-Sendung „Report Mainz“ wissen. Auf Nachfrage erklärte die TGI AG, sie verfüge über „privilegierten Zugang zu Rohgoldquellen“ und besondere Partnerschaften entlang der Lieferkette.
Für Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern wirft das mehr Fragen auf, als es Antworten liefert: „Wo bleiben die Belege? Kann es der Anleger nachvollziehen? Was sind das für Rohstoffquellen? Welche rechtlichen Gegebenheiten liegen da vor? Haben die Eigentümer besondere Zugriffsrechte? Alles Punkte, die der einzelne Anleger so gar nicht nachvollziehen oder verifizieren kann.“
