
Zahlreiche Mitarbeiter betroffen
Autozulieferer schließt Werk in Deutschland
16.01.2026 – 01:07 UhrLesedauer: 2 Min.
Die IG Metall kritisiert den Schritt als „Skandal“. Zumindest ein kleiner Teil der Arbeitsplätze soll an einen anderen bayerischen Standort wandern.
Der Autozulieferer Valeo schließt seinen Standort in Bad Neustadt an der Saale. Die Mitarbeiter wurden heute über das Aus informiert, wie ein Konzernsprecher bestätigte. Die Produktion dort wurde bereits vor einigen Jahren geschlossen. Valeos Hauptsitz ist in Paris. Das Unternehmen stellt Komponenten und Systeme für Autos und Nutzfahrzeuge her.
Früher hatte der Standort in Bad Neustadt noch mehr als 500 Mitarbeiter, zum Jahreswechsel waren es laut Valeo noch 183. Mindestens 143 davon verlieren den aktuellen Plänen zufolge ihren Job, 40 soll ein Wechsel ins rund 140 Kilometer Fahrstrecke entfernte Erlangen angeboten werden. Dort hat Valeo einen größeren Standort, dessen Entwicklungsabteilung durch die Verlagerung gestärkt werden soll. Die Zahlen könnten sich allerdings noch ändern, betonte der Sprecher.
Der Konzern begründet den Schritt mit der schwierigen Lage der Industrie und dem hohen Wettbewerb aus dem Ausland. Dies zwinge das Unternehmen, seinen Forschungs- und Entwicklungsansatz anzupassen und die Aktivitäten in größeren Zentren zusammenzufassen.
Auch am Standort Ebern des Unternehmens in Bayern droht ein Jobabbau, wie der „Bayerische Rundfunk“ berichtete. Insgesamt seien 134 Arbeitsplätze betroffen – davon 109 im Bereich Forschung und Entwicklung, sagte Andrea Sicker, die zweite Bevollmächtigte der zuständigen IG Metall in Bamberg, auf BR-Anfrage. 37 von den 109 Betroffenen bekommen demnach Angebote, nach Erlangen zu wechseln.
„Diese Entscheidung ist ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht der verbliebenen Beschäftigten, die mit Herzblut am Erhalt des Standortes gearbeitet haben“, sagte Reiner Gehring von der IG Metall. „Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, will sich das Unternehmen aus der Verantwortung ziehen.“
Mit der jetzt verkündeten Entscheidung trete „genau das ein, was wir bereits Ende 2023 prophezeit hatten. Wir haben klar gesagt: Ein Entwicklungsstandort ohne dazugehörige Produktion wird in diesem Konzern keine Zukunft haben.“ Der Arbeitgeber habe dies damals aber noch vehement bestritten.
In der Belegschaft sei jedem die Bestürzung anzusehen, sagt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jessica Reichert. „Diese Nachricht ist ein Schock für uns. Es geht um Existenzen.“