„Ungewöhnlich viele Beanstandungen“
Verband verklagt Christian Lindners neue Autofirma
14.08.2026 – 14:09 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Kfz-Händlerverband verklagt Lindners Firma Auto.de wegen irreführender Werbung. Es geht um falsche Preise und um Lindners Expansionspläne.
Der Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) hat die Plattform Auto.de vor dem Landgericht Halle verklagt. Auto.de gehört zur Autoland AG, deren stellvertretender Vorstandsvorsitzender Christian Lindner ist. Der Verband wirft dem Unternehmen irreführende Werbung vor.
Laut BVfK hat Auto.de die kritisierten Darstellungen nach einer Abmahnung geändert. Eine strafbewehrte Unterlassungserklärung habe das Unternehmen jedoch nicht abgegeben. Deshalb hat der Verband Klage eingereicht.
Lindners Angriffsplan
Als Anlass für eine genauere Prüfung nennt der BVfK Äußerungen von Lindner. Der frühere FDP-Vorsitzende und ehemalige Bundesfinanzminister ist seit Anfang 2026 stellvertretender Vorstandschef der Autoland AG. Laut BVfK habe Lindner „ambitionierte Wachstums- und Expansionsziele“ angekündigt und nicht ausgeschlossen, dass die Markteroberung „auch auf Kosten von Händlerkollegen gehen werde“. Im kommenden Jahr soll Lindner Unternehmensgründer Wilfried Anclam als Vorstandschef ablösen.
Fehler mit System?
Der BVfK kritisiert außerdem falsche Streich- und Vergleichspreise. Zudem habe ein verpflichtendes „Rundum-Sorglos-Paket“ zu zusätzlichen Kosten geführt. Der Verband spricht von „einer ungewöhnlich hohen Zahl von Beanstandungen“ und erklärt: „Der Umfang der aus unserer Sicht festgestellten Beanstandungen wirkte eher systematisch und nicht, als sei ein versehentlicher Fehler unterlaufen.“
BVfK-Präsident Ansgar Klein sagt, solche Angebote erschwerten es Käufern, den tatsächlichen Preis zu erkennen. Transparente Händler würden benachteiligt und könnten Aufträge verlieren. Klein sagt: „In einem solchen geschäftlichen Umfeld lässt sich kaum seriös und professionell arbeiten.“
Die Firma schweigt
Der Verband sieht trotz der Änderungen das Risiko, dass die Werbung wieder auftaucht. Ohne eine verbindliche Zusage bleibt aus Sicht des BVfK nur eine Entscheidung durch das Gericht.
Die Autoland AG bezeichnet sich selbst als „Deutschlands größtes herstellerunabhängiges Automobilhandelsunternehmen“. Nach eigenen Angaben betreibt sie knapp 40 Niederlassungen in zehn Bundesländern, beschäftigt mehr als 1.500 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2025 „einen Rekordumsatz von über einer Milliarde Euro mit rund 60.000 verkauften Autos“.
Yasin Turhal, Geschäftsführer von Auto.de, ließ auf Anfrage mitteilen: „Nach der Übernahme der Plattform Auto.de mussten notwendige Anpassungen vorgenommen werden. Durch die hilfreichen Hinweise des BVfK konnten wir die gewünschten Veränderungen schnell umsetzen.“ Zur Klage äußerte er sich nicht.
