Werden Teslas jetzt billiger?

Preise runter, Qualität rauf? Der anstehende Tesla-Start in Brandenburg bringt so manche Hoffnung mit sich. Welche ist berechtigt, welche eher nicht? Hier ist der Realitäts-Check.

Grünheide ist startklar: In wenigen Tagen will Tesla die Autoproduktion in seinem neuen Werk bei Berlin aufnehmen. Die bereits fertige Fabrik wurde vom Land Brandenburg am 4. März genehmigt – Tesla baute ohne die Freigaben auf eigenes Risiko. Für den 22. März 2022 sei nun eine Eröffnungsfeier geplant, heißt es. Danach sollen die Fertigungsbänder anrollen.

Künftig kommen neue Teslas also nicht mehr nur aus Fremont (US-Staat Kalifornien) oder aus Shanghai (China), sondern auch aus Brandenburg. Was ändert sich außerdem?

Wichtige Säule der Zukunftsstrategie von Tesla: Die erste europäische Fabrik in Grünheide.

Kommen Teslas jetzt schneller?

Anfangs werden in Grünheide 150.000 Autos pro Jahr entstehen, später soll die Kapazität auf jährlich 500.000 Neuwagen steigen. Diese Autos sind natürlich auch für Deutschland und die umliegenden Länder bestimmt. Damit will Tesla den wochenlangen und teuren Transport aus anderen Weltregionen überflüssig machen – genau deshalb fiel die Wahl auf einen Standort im Zentrum Europas. Diese Wochen der Wartezeit auf den Neuwagen entfallen dann für künftige Besitzer.

Allerdings werden in Grünheide nicht alle Tesla-Modelle gebaut. Zunächst sollen nur das Model 3 und das Model Y in der neuen Fabrik vom Band laufen.

Werden Teslas jetzt besser?

Das würde sich zumindest mancher wünschen. Besitzer klagen über schlechte Qualität, immer wieder kommt es zu großen Rückrufen, im TÜV-Report schneiden die teuren Stromer so schlecht ab wie ein Billigauto.

Beispiel Model S (ab 102.000 Euro): Schon im ersten Anlauf – also nach drei Jahren – fällt jedes zehnte Auto durch die Prüfung. Schlechter sind nur Dacia Duster und Dacia Logan. Beide sind aber keine Elektroautos, denen man eine höhere Wartungsarmut bescheinigt, und kosten einen Bruchteil des Model S.

Womöglich ist der Wunsch nach höherer Qualität nicht unbegründet: Tesla hat sich unter anderem für einen deutschen Standort entschieden, um vom hiesigen Know-how zu profitieren. Damit konnte Grünheide so manchen Wettbewerber ausstechen, der unter anderem geringere Kosten und dadurch höhere Profite versprach – und sich damit nicht durchsetzen konnte.

Klar ist: Wer Premium-Preise kassiert, sollte auch Premium-Qualität liefern. Sonst wandert so mancher Kunde schnell wieder ab. Und gerade wenn Tesla in Deutschland so richtig Fuß fassen will, sollte man sich nicht zu viel Murks erlauben.

Werden Teslas jetzt billiger?

Fertigung vor der Haustür, kein langer Transport – da hofft mancher auf fallende Preise. Daraus wird aber nichts. Ein langer Lieferweg wird natürlich vom Hersteller eingepreist. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass ein kürzerer Weg das Auto billiger macht. Ihre Preise bestimmen die Hersteller anhand verschiedener Kriterien, etwa Steuern und Kaufkraft eines Marktes. Und da liegt Deutschland weit vorn.

Natürlich kalkulieren viele Autobauer ihre Preise so, dass sie kräftige Rabatte gewähren und trotzdem Gewinn machen können. Aber auch daraus wird im Fall von Tesla nichts: Die Amerikaner nehmen, was auf dem Preisschild steht – und keinen Cent weniger. Rabatte gibt es nicht. Ihre Autos verkaufen sich schließlich auch ohne Nachlässe hervorragend. Billiger wird ein neuer Tesla also nur durch die staatliche Kaufprämie fürs Elektroauto (bis zu 9.000 Euro, je nach Netto-Listenpreis des Autos).

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