Angriff in Hamburg

Wolf verletzt Frau – jetzt geht es um Leben oder Tod

Aktualisiert am 01.04.2026 – 14:39 UhrLesedauer: 3 Min.

Ein Wolf läuft durch ein Gehege (Symbolbild): Nach dem Angriff in Hamburg wird über das Schicksal des Tieres entschieden. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa)

Nach dem Angriff eines Wolfs auf eine Frau in Hamburg ist das Tier in eine Auffangstation gebracht worden. Ob es getötet oder freigelassen wird, ist offen – Experten sind sich uneinig.

Nach dem Angriff eines Wolfs auf eine Frau in Hamburg ist die Zukunft des Tieres ungewiss. Der Wolf wurde in eine Wildtierauffangstation bei Sachsenhagen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg gebracht. Nach Angaben der Hamburger Umweltbehörde bleibt Hamburg für den Umgang mit dem Tier zuständig.

Derzeit wird der Zustand des Wolfs geprüft. „Man guckt sich jetzt erstmal an, wie ist der Zustand des Wolfes, lässt ihn zur Ruhe kommen und wird entscheiden, was dann mit ihm passiert“, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Umweltministeriums. Eine Entscheidung soll möglichst zeitnah fallen.

Tötung oder Freilassung?

Im Raum stehen mehrere Optionen – darunter auch eine Tötung. Das wäre allerdings ein Ausnahmefall. „Das wäre womöglich eine Option, aber ich kann da nichts vorwegnehmen“, so der Sprecher.

Einige Experten sprechen sich klar dafür aus. Der Journalist und Jäger Eckhard Fuhr hält die Tötung für die „vernünftigste Lösung“. Weder ein Leben in Gefangenschaft noch eine Freilassung seien aus seiner Sicht sinnvoll.

Andere Fachleute widersprechen deutlich. Der Wildtierbiologe Norman Stier von der TU Dresden plädiert dafür, den Wolf wieder freizulassen – allerdings mit einem Senderhalsband. So könne das Tier überwacht und bei Problemen schnell reagiert werden.

Auch Praktiker aus Wildparks sehen keinen Grund für drastische Maßnahmen. Der Geschäftsführer des Wildparks Schwarze Berge, Arne Vaubel, geht davon aus, dass der Wolf aus Panik gehandelt habe. „Das Tier wollte nur weg“, sagte er. Ähnlich äußerte sich auch Wolfskennerin Tanja Askani: Der Wolf habe sich vermutlich in der Stadt verirrt und sei in eine Stresssituation geraten.

Der Wolf selbst wurde bei dem Einsatz leicht verletzt. Nach Angaben der Hamburger Umweltbehörde hat er oberflächliche Wunden, die bereits behandelt wurden. Zudem wurde das Tier auf Tollwut getestet. Eine Erkrankung gilt als unwahrscheinlich – Wölfe in Deutschland gelten seit 2008 als tollwutfrei.

Wie lief der Vorfall ab?

Der Vorfall in Hamburg nahm am Montagabend seinen Lauf. Der mutmaßlich junge Wolf war bereits zuvor im Westen der Stadt gesichtet worden. Ausgelöst durch einen äußeren Reiz – etwa ein Auto oder ein anderes Tier – geriet er laut Umweltbehörde in Stress und lief durch die Stadt.

In der Großen Bergstraße in Altona verirrte er sich gegen 19 Uhr in eine enge Einkaufspassage. Dort wurde eine Frau verletzt. Sie wurde im Universitätsklinikum Eppendorf ambulant behandelt.

Nach dem Vorfall flüchtete das Tier mehrere Kilometer weiter bis zur Binnenalster. Polizeikräfte entdeckten den Wolf schließlich im Wasser am Jungfernstieg und sicherten ihn mit einer Schlinge. Das Einfangen dauerte mehr als eine Stunde.

Dauerhafte Haltung kaum möglich

Eine Unterbringung in einem Gehege gilt unter Experten als problematisch. Wölfe, die in freier Wildbahn aufgewachsen sind, gewöhnen sich in der Regel nicht an Gefangenschaft. Versuche aus der Vergangenheit hätten gezeigt, dass solche Tiere in Gehegen oft nicht überleben.

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