
Sie schreiben Geschichte
Handball-Zwerg auf dem Weg zur Sensation
20.01.2026 – 18:01 UhrLesedauer: 2 Min.
Bei der Handball-EM schreibt ein vermeintlicher Außenseiter Geschichte. Großen Anteil daran hat eine überaus sportliche Familie.
Mit ihnen hat bei der Handball-Europameisterschaft 2026 kaum jemand gerechnet. Die Färöer, eine Inselgruppe aus dem Nordatlantik, haben gerade einmal 54.000 Einwohner – ungefähr so viele wie die hessische Stadt Wetzlar. Doch beim Turnier in Dänemark, Schweden und Norwegen spielt das Team groß auf.
Gleich im ersten Vorrundenspiel errangen die Färinger ein Unentschieden gegen die Schweiz (28:28). In der zweiten Partie gelang dem Team des dänischen Trainers Peter Bredsdorff-Larsen dann die große Sensation. Gegen Montenegro setzte sich der Handball-Zwerg deutlich mit 37:24 gegen Montenegro durch – und feierte damit den ersten Sieg bei einer Handball-EM überhaupt.
Jetzt haben die Färöer gar eine realistische Chance, die Hauptrunde des Wettbewerbs zu erreichen. Dass es so weit kommen konnte, hat die Nation, die zum Königreich Dänemark gehört, auch einer sportaffinen Familie zu verdanken.
Im Team der Färöer ist Elias á Skipagøtu der Star. Der 23-Jährige ist in Deutschland kein Unbekannter. Er steht beim THW Kiel unter Vertrag. 2024, als die Färöer erstmals bei einer Europameisterschaft teilnahmen, war á Skipagøtu mit 23 Treffern bester Torschütze seines Teams. Zudem erzielte er damals in der Partie gegen Norwegen den umjubelten Ausgleich – und führte die Mannschaft zu ihrem ersten Punktgewinn in der EM-Geschichte.
Auch bei dieser EM steht á Skipagøtu wieder im Mittelpunkt. Gegen Montenegro steuerte er acht Treffer bei. Doch auf der Platte hatte er dabei noch familiäre Unterstützung. Sein Bruder Rói war ebenfalls Teil des historischen Triumphs, wenngleich er ohne Torerfolg blieb.
Verlassen kann sich das Brüderpaar in sportlicher Hinsicht aber noch auf weitere Familienmitglieder. Cousin Óli Mittún war gegen Montenegro mit zehn Toren bester Schütze. Sein Bruder Pauli war wie Rói á Skipagøtu nicht erfolgreich.
Unterstützt wurden die Familien á Skipagøtu und Mittún bei den Vorrundenspielen in Oslo übrigens rund 6.500 Fähringer Fans – rund 12 Prozent der Gesamtbevölkerung der Nation. „Es ist unglaublich, vor allem vor so vielen Menschen, die es zu einem Heimspiel machen“, sagte Hákun West av Teigum vom deutschen Meister Füchse Berlin.
Mit Chartermaschinen und per Fähre waren die Anhänger angereist. Die nationale Fluggesellschaft Atlantic Airways setzte 18 Sondermaschinen ein. Weitere 1.050 Fans nahmen die Fähre, wie der färingische Handballverband der dpa mitteilte.
Die nächste Färöer-Party soll bereits am Dienstagabend steigen. Dann spielt das Team gegen Slowenien – und kann den Traum von der ersten Teilnahme an einer EM-Hauptrunde endgültig perfekt machen. Es wäre der nächste historische Meilenstein für die Insel-Handballer.