„War er vollständig erhängt?“
Epsteins Todesnacht – Zweifel an Aussage von Pathologin
Aktualisiert am 10.03.2026 – 02:12 UhrLesedauer: 4 Min.
An der Todesursache von Jeffrey Epstein gibt es auch Jahre später noch Zweifel. Ein Vernehmungsprotokoll zeigt nun, warum die zuständige Gerichtsmedizinerin bei der offiziellen Festlegung zögerte.
Jeffrey Epstein wurde am Morgen des 10. August 2019 tot in seiner Gefängniszelle im Metropolitan Correctional Center in Manhattan gefunden. Der wegen Sexualstraftaten verurteilte Finanzier wartete dort auf seinen Prozess wegen schwerer Vorwürfe des Menschenhandels. Die Gerichtsmedizin legte sich auf Suizid als Todesursache fest. Doch daran gibt es auch sieben Jahre später noch Zweifel.
Epsteins Bruder Mark sagte jüngst in einer Recherche des australischen Senders ABC, er habe zunächst selbst damit gerechnet, dass die Autopsie einen Suizid bestätigen würde. „Ich ging völlig davon aus, dass sie nach der Autopsie sagen würden: ‚Es ist tragisch, aber Jeffrey hat Selbstmord begangen'“, sagte er dem Sender. Erst als New Yorks leitende Gerichtsmedizinerin Barbara Sampson fünf Tage nach der Autopsie den Tod offiziell als Suizid durch Erhängen einstufte, habe er begonnen zu zweifeln. „Lassen Sie mich ganz klar sein: Barbara Sampson war nicht bei der Autopsie“, sagte Mark Epstein der ABC.
Die Autopsie wurde einen Tag nach Epsteins Tod von der Gerichtsmedizinerin Kristin Roman durchgeführt. Roman kreuzte auf Epsteins Urkunde am 11. August 2019 weder „Selbstmord“ noch „Tötung“ an. Stattdessen vermerkte sie „laufende Untersuchungen“. Bei der Untersuchung war auch der Gerichtsmediziner Michael Baden anwesend, den Epsteins Bruder Mark als Beobachter beauftragt hatte. Baden erklärte später öffentlich, dass Verletzungen an Epsteins Hals ungewöhnlich für einen Suzid seien und stattdessen auf ein Tötungsdelikt hindeuten könnten.
Ein Vernehmungsprotokoll mit der Pathologin Roman aus den neu veröffentlichten Epstein-Akten liefert nun weitere Details. Darin erklärt die New Yorker Gerichtsmedizinerin Roman ausführlich, warum sie nach der Autopsie zunächst zögerte, Epsteins Tod offiziell als Selbstmord einzustufen – obwohl die Befunde aus ihrer Sicht „ziemlich eindeutig“ gewesen seien.
„Wäre er eine weniger prominente Person gewesen, die niemand umbringen wollte, hätte ich es wahrscheinlich schon am Tag der Autopsie als Erhängen eingestuft“, sagte Roman laut Protokoll. Sie habe insbesondere mit dem Gefängnismitarbeiter sprechen wollen, der Epsteins Leiche entdeckt hatte. „War er vollständig erhängt? Wo genau hing er? Solche Dinge“, habe sie noch klären wollen.
Roman sagte den Ermittlern jedoch, ihr sei weder erlaubt worden, mit Justizbeamten zu sprechen noch Epsteins Zelle selbst zu besichtigen. Stattdessen seien ihr lediglich Fotos des Raumes gezeigt worden. Für ihre medizinische Bewertung sei das jedoch nicht entscheidend gewesen. „Selbst ohne zusätzliche Untersuchung sah dieser Fall aus Sicht der Autopsie sehr eindeutig nach einem Erhängen aus“, erklärte sie. Weitere Informationen hätten vor allem der „Vollständigkeit“ gedient.
