
Geschichte
Auschwitz-Gedenken – Überlebende warnen vor neuem Hass
Aktualisiert am 27.01.2026 – 18:43 UhrLesedauer: 3 Min.
Der Holocaust ist seit mehr als 80 Jahren vorbei – der Antisemitismus jedoch wuchert bis heute weiter. Zum Gedenktag ziehen Überlebende und Politiker erschreckende Verbindungen in die Gegenwart.
Zum 81. Jahrestag der Befreiung des früheren deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau wurde der Opfer des NS-Terrors gedacht. Ein Überlebender warnte bei der Gedenkfeier in Polen vor zunehmendem Hass in der Gesellschaft. Es gebe derzeit viele Zeichen, die ihm nur allzu bekannt seien, sagte der 96 Jahre alte Auschwitz-Überlebende Bernard Offen.
Die Gedenkstätte Auschwitz hatte in diesem Jahr bewusst auf Reden von Politikern und Diplomaten verzichtet, damit die Aufmerksamkeit vollkommen auf den Aussagen der ehemaligen Häftlinge liegt, wie ihr Leiter Piotr Cywinski vor der Feier betont hatte. An der Gedenkfeier nahm auch Polens Präsident Karol Nawrocki teil.
Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau steht symbolhaft für den Holocaust und das Grauen des Nationalsozialismus. Rund 1,1 Millionen Menschen starben hier zwischen 1940 und 1945, die meisten von ihnen waren Juden.
Auch in Deutschland wurde der Opfer des NS-Terrors gedacht: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) legte gemeinsam mit EU-Innenkommissar Magnus Brunner und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, am Nachmittag einen Kranz am Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin nieder. In mehreren Landtagen fanden zudem Gedenkfeiern statt.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) eröffnete am Abend die Ausstellung „An eine Zukunft glauben. Jüdische Biografien in der parlamentarischen Gründergeneration nach 1945“. Die Ausstellung erinnert an die Schicksale von Abgeordneten, die als Jüdinnen und Juden oder wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden. „Im Bundestag saßen sie, die NS-Opfer, neben früheren NSDAP-, SA- und SS-Mitgliedern. Neben Tätern“, sagte Klöckner laut ihrer Eröffnungsrede in Berlin. „Antisemitismus war 1945 nicht vorbei. Und er ist es bis heute nicht.“
Israels Botschafter Ron Prosor forderte zuvor ein konsequenteres Vorgehen gegen Antisemitismus in Deutschland. „Am 27. Januar dieses Jahres muss klar sein, dass den Worten Taten folgen müssen“, sagte er im Interview mit der „Jüdischen Allgemeinen“. Die Gesetze seien bislang nicht klar genug. „Vieles, was wir erleben, hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun“, betonte Prosor. „Die Linie zwischen Meinungsfreiheit und Aufhetzung ist längst überschritten.“