Aus nach 175 Jahren

Bayerischer Traditionsbetrieb schließt für immer


01.06.2026 – 11:27 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein Kugelschreiber liegt auf einem Antrag zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens (Symbolbild). (Quelle: Jonas Walzberg/dpa)

Nach 175 Jahren endet eine Augsburger Drucktradition: Das ADV-Druck- und Verlagshaus schließt. Trotz Gesprächen fand sich kein Investor für das Unternehmen.

Das ADV-Augsburger Druck- und Verlagshaus hat nach einer erfolglosen Investorensuche die Schließung des Unternehmens beschlossen. Die Produktion soll noch bis Ende August 2026 fortgeführt werden, damit bestehende Kundenaufträge abgearbeitet werden können. Danach stellt der Augsburger Traditionsbetrieb seinen Betrieb ein. Rund 100 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.

Das Amtsgericht Augsburg hatte Ende März Rechtsanwalt Georg Jakob Stemshorn von der Pluta Rechtsanwalts GmbH zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Ende Mai eröffnete das Gericht das Verfahren und setzte Stemshorn als Insolvenzverwalter ein. Bis dahin lief der Geschäftsbetrieb weiter.

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Zu Beginn des Verfahrens sagte Stemshorn: „In den vergangenen Jahren sah sich die Branche erheblichen strukturellen Veränderungen ausgesetzt. Ein intensiver Preiswettbewerb sowie gestiegene Kosten für Energie, Papier und Logistik haben die wirtschaftliche Entwicklung belastet.“ Nachdem eine Finanzierung geplatz sei, habe Geld gefehlt. „Der Insolvenzantrag war daher unumgänglich“, so der Insolvenzverwalter.

Investorensuche bleibt ohne Ergebnis

Nun erklärte Stemshorn, er habe „in den vergangenen Wochen intensive Gespräche mit potenziellen Investoren geführt und verschiedene Fortführungsszenarien geprüft“. Das wirtschaftliche Umfeld sei jedoch schwierig, viele Investoren agierten zurückhaltend. „Leider konnten wir trotz aller Bemühungen keine Lösung erzielen, was wir sehr bedauern“, sagte der Insolvenzverwalter.

Die Mitarbeiter wurden in einer Versammlung über die Entscheidung informiert. Gemeinsam mit dem Betriebsrat wurden ein Sozialplan und ein Interessenausgleich vereinbart. Die Gehälter der Beschäftigten sind noch bis Juni über das Insolvenzgeld abgesichert.

Das 175-jährige Unternehmen aus Bayern ist auf Kataloge, Magazine, Mailings und Werbesendungen spezialisiert. Geschäftsführer Alexander Hetzger sprach von herausfordernden Jahren für die gesamte Branche. „Der Markt für Druckerzeugnisse verzeichnet seit längerem kontinuierliche Rückgänge“, sagte er. Zugleich dankte er den Beschäftigten für ihren Einsatz: „Die Nachricht ist für uns alle sehr bedauerlich. Mein persönlicher Dank gilt insbesondere unserer Belegschaft, die das Unternehmen über viele Jahre mit großem Engagement begleitet hat. Gemeinsam werden wir nun die verbleibenden Aufträge zuverlässig abwickeln.“

Tochtergesellschaft nicht betroffen

Nicht betroffen ist die Franz Schoder Druck GmbH & Co. KG am Standort Gersthofen. Dort wird der Geschäftsbetrieb unverändert fortgeführt. Beide Unternehmen treten unter der Dachmarke „ADV SCHODER – Druck verbindet“ am Markt auf, sind aber rechtlich unabhängig.

Auch die ADV Mediendienste GmbH befindet sich nicht in der Insolvenzverwaltung. Die Tochtergesellschaft arbeitet als Dienstleister für beide Druckstandorte.

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