In Syrien verschwunden
Vermisste Journalistin: Augenzeuge schildert letzte Momente
Aktualisiert am 09.04.2026 – 05:06 UhrLesedauer: 2 Min.
Im Fall der vermissten Kölner Journalistin gibt es neue Hinweise. Ein Augenzeuge schildert die letzten gemeinsamen Momente.
Im Fall der seit Januar in Syrien vermissten Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann hat sich ein Augenzeuge in einem Video zu Wort gemeldet. Das Video liegt t-online vor.
Augenzeuge Jassem Mohammed war demnach am 18. Januar im Al-Shabiba-Jugendzentrum in Raqqa vor Ort, als Michelmann und ihr Kollege Ahmed Polad von syrischen Regierungstruppen in ein separates Fahrzeug gesetzt wurden. Seitdem fehlt von beiden jede Spur.
Mohammed befand sich seinen Angaben zufolge gemeinsam mit der 36-jährigen Journalistin, Polad und weiteren Zivilisten in dem Jugendzentrum an der Straße Saif al-Dawla, als syrische Regierungstruppen das Gebäude belagerten. Michelmann habe den Krieg und die erneute Ausbreitung des IS dokumentieren wollen, um die Situation in Raqqa international sichtbar zu machen. In jener Nacht, so Mohammed, habe er zudem einen hochrangigen Miliz-Befehlshaber erkannt, der dem Machtapparat der syrischen Regierung angehöre. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Mithilfe örtlicher Sicherheitskräfte aus der Region Aleppo gelang es dem Großteil der Gruppe schließlich, das Gebäude zu verlassen – der entscheidende Moment war um 1.30 Uhr, als die Zivilisten in Fahrzeuge gesetzt wurden. Es war das letzte Mal, dass Michelmann und Polad gemeinsam mit den anderen gesehen wurden. Der Konvoi teilte sich. „Ihre Fahrzeuge fuhren in die eine Richtung, wir in die andere“, sagt Mohammed.
Er selbst und die übrigen Zivilisten wurden ins Al-Aqtan-Gefängnis gebracht und am nächsten Tag freigelassen. Von Michelmann und Polad fehlte da bereits jede Spur. „Ahmed und Eva kamen nicht mit uns – sie wurden vermisst“, sagt Mohammed. Eine Erklärung dafür hat er nicht: „Warum kamen sie nicht mit, zum Beispiel? Was war der Grund? Sie kamen einfach nicht.“
Für Antonius Michelmann, den Bruder der Vermissten, sind die Aussagen des Augenzeugen eindeutig: „Es ist nun nicht mehr möglich, dass sich das syrische Übergangsregime auf eine Unübersichtlichkeit der Situation oder Unwissenheit beruft“, sagte er dem „Spiegel“. Und weiter: „Wir erhoffen uns und erwarten dringend konkrete Ergebnisse bei der Aufklärung des Verbleibs meiner Schwester und ihres Kollegen Ahmed.“
