
Olympiateilnahme trotz Kreuzbandriss
Lindsey Vonn: Arzt warnt vor schweren Folgen
03.02.2026 – 19:54 UhrLesedauer: 2 Min.
Lindsey Vonn will bei den Olympischen Spielen trotz Kreuzbandriss eine Medaille gewinnen. Ein Mediziner hält dieses Vorhaben für sehr gefährlich – auch über die Karriere hinaus.
Wenn es bei der Abfahrt am Sonntag (ab 11.30 Uhr im Liveticker bei t-online) um olympische Medaillen geht, wird Lindsey Vonn nicht mehr zum Favoritenkreis gehören. Die 41-Jährige blickte selbstbewusst auf ihre fünften Winterspiele, doch wie sie am Dienstagnachmittag auf einer Pressekonferenz verkündete, hat sie sich am vergangenen Freitag einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen.
Trotz der Verletzung und einer Teilprothese im rechten Knie will sie wenige Tage nach der Verletzung um ihre zweite Goldmedaille bei einer Olympia-Abfahrt nach 2010 kämpfen. „Ich weiß, meine Chancen sind nicht mehr so groß wie vorher. Aber solange es eine Chance gibt, werde ich es versuchen“, sagte die sichtlich bewegte Vonn. Der Skirennsport sei nun mal gefährlich und sie gehe ans Limit, erklärte die viermalige Gesamtweltcupgewinnerin.
Dr. med. Kourosh Modaressi hält das aus medizinischer Sicht für eine „neue Eskalationsstufe“, denn normalerweise beträgt die Ausfallzeit bei dieser Verletzung mehrere Monate. Daher rät er der Top-Athletin dringend von einer Teilnahme ab. „Im schlimmsten Fall riskiert sie bleibende Schäden: schwere Meniskusrisse, zusätzliche Knorpeldefekte, eine beschleunigte Arthrose – und damit Schmerzen und Einschränkungen weit über den Spitzensport hinaus“, sagte er dem Schweizer Nachrichtenportal 20min. Der orthopädische Chirurg arbeitete unter anderem an der Zürcher Uniklinik.
Dass auch niemand aus dem US-Team ihr das Vorhaben ausredet, zeige lediglich ihre Ausnahmestellung, sei jedoch alles andere als sinnvoll. „Wenn ein Knie instabil ist und das andere durch ein Implantat biomechanisch verändert wurde, gerät das gesamte System aus dem Gleichgewicht“, erklärt er. Ihr einziger Vorteil: Vonns Oberschenkelmuskel sei so stark, dass der Schmerz nicht akut sei. Das bestätigte die US-Athletin auf der Pressekonferenz ebenfalls, zudem sagte sie, dass ihr Knie nicht geschwollen sei.
Ihr Knie will sie im Rennen mit einer Orthese schützen, die sie auch rechts trägt. „Ich hatte noch nie Angst, ich war immer eine Abenteurerin“, sagte sie. Und sie kenne ihren Körper nach Jahren der Skirennen und der Verletzungen „sehr gut. Ich fühle mich glücklich, dass ich noch immer das tun kann, was ich so sehr liebe“.
Dass Vonn tatsächlich um eine Medaille mitfahren kann, glaubt Modaressi nicht. „Nach Kreuzbandriss – erst recht bei bestehender Knieprothese auf der Gegenseite – lautet das Ziel Alltagstauglichkeit und moderater Freizeitsport, nicht Hochleistung.“ Im Extremfall könne ihre Teilnahme dazu führen, dass sie auch auf der linken Seite zeitnah einen Kniegelenkersatz benötige.