Das passt zu ihm. Rangnick denkt in Prozessen. Nach außen wirkt er nüchtern, fast spröde. An der Seitenlinie ist er dagegen permanent in Bewegung: korrigieren, nachschieben lassen, Abstände einfordern. Ein Fußballlehrer. Beim Qualifikationsspiel in Zenica produzierte er das Bild des Abends, als Rangnick, aufgrund einer Fußoperation gehandicapt, mit einem E-Bike durch das Stadion fuhr, um rechtzeitig von der Kabine zur Trainerbank zu kommen.

Die Spieler folgen ihm, weil seine Idee klar ist. Rangnicks Österreich will Gefahrenmomente in Phasen erzwingen, in denen der Gegner unsauber spielt. Die richtigen Spieler dafür hat er eigentlich.

Spielsystem und Taktik

Österreich spielt das, was Rangnicks Vorstellung von modernem Fußball ist. Der erste Gedanke nach Ballgewinn lautet immer: nach vorn. Nicht über fünf Sicherheitsstationen, sondern über den ersten freien Pass in den Halbraum, auf den einrückenden Zehner oder direkt auf den Stürmer.

Gegen den Ball erkennt man die Mannschaft am schnellsten. Die erste Linie läuft nicht wild an, sondern gezielt. Ein Stürmer stellt den Innenverteidiger, der zweite verteidigt den Rückpassweg. Dahinter schieben Sabitzer, der Ersatzmann für Baumgartner (wer immer das wird) oder aus der Tiefe Laimer auf die gegnerischen Sechser. Der Gegner soll nach außen spielen. Dort schnappt die Falle zu.

Das Qualifikationsfinale gegen Bosnien-Herzegowina zeigte aber auch die Grenze dieses Ansatzes auf. Österreich hatte viel Ballbesitz, fand lange keine Lücken und geriet folgerichtig ins Hintertreffen. Erst der späte Ausgleich durch Gregoritsch löste das WM-Ticket.

Dieses Spiel war die Warnung für die WM. Gegen tiefe Gegner braucht Österreich Lösungen, die Rangnick bis dahin noch nicht geliefert hatte.

Die Grundordnung bleibt meist ein 4-2-2-2, aus dem sich auch ein 4-3-3 entwickeln kann. Entscheidend ist nicht die Grundordnung, sondern die Abstände sind es. Wenn Laimer und Schlager rechtzeitig nachschieben, entsteht Druck. Wenn sie eine Sekunde zu spät kommen, öffnet sich hinter ihnen der Raum – und dann muss Alaba viele Meter rückwärts verteidigen. Mehr als er kann unter Umständen.

So hat Österreich bei früheren Weltmeisterschaften abgeschnitten

Wenn man die WM-Geschichte Österreichs in Bildern erzählt, stößt man schnell auf ein Spiel, das bis heute nachhallt: 1954, das „Wunder von Bern“-Turnier, Viertelfinale. Österreich gehört damals zu den besten Mannschaften Europas, erreicht die Vorschlussrunde – und spielt im Viertelfinale eines der wildesten Spiele der WM-Geschichte: 7:5 gegen die Schweiz. Zwölf Tore in 90 Minuten, Österreich siegt.

Die Hitzeschlacht von Lausanne: Österreich besiegt 1954 Gastgeber Schweiz mit 7:5. (Quelle: Kicker/imago-images-bilder)
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