
„Polizeiruf 110“ aus Halle
Ein Ostrelikt stirbt den TV-Tod
15.02.2026 – 17:03 UhrLesedauer: 2 Min.
Fünf Jahre lang brillierte in der ARD eine Hommage an den Osten. Mit dem „Polizeiruf 110“ aus Halle erfüllte das Öffentlich-Rechtliche einen Auftrag. Nun traf der Sender eine folgenschwere Entscheidung.
Aus dem Osten über den Osten für den Osten. Der „Polizeiruf 110“ aus Halle hat diesen Anspruch perfekt erfüllt. Von den Schauspielern über das technische Team bis hin zum Drehbuchautor: Die Menschen, die an dieser Krimireihe mitwirkten, wurden im Osten sozialisiert. Ihr Blick auf Ostdeutschland ist automatisch ein anderer als der aus dem Westen. Gerade deswegen konnte das Pendant zum „Tatort“ so erfolgreich werden und musste seiner „großen Krimi-Schwester“ in nichts nachstehen.
Doch nach drei Filmen macht die ARD Schluss. Schluss mit dem Team, den Geschichten und ja, auch mit dem Publikum. Denn für Peter Kurth und Peter Schneider, die die Hauptkommissare spielten, wird der Film am Sonntagabend der letzte in dieser Form sein. Damit trifft der Sender eine Entscheidung gegen die Ost-Bewegung.
Wenn am Sonntag ab 20.15 Uhr der „Polizeiruf 110 – Der Wanderer zieht von dannen“ in der ARD ausgestrahlt wird, sitzen vermutlich wieder viele Zuschauer vor den Fernsehgeräten. Viele von ihnen werden aus Ostdeutschland kommen, und vielen von ihnen wird dieser Film nahegehen. Nicht nur, weil er gut erzählt ist, nicht nur, weil er unglaublich gut musikalisch untermalt wird, sondern auch, weil er einen Einblick in eine Stadt gibt, die eine besondere Vergangenheit hat.
Wer könnte diese Stadt besser zum Tatort eines Verbrechens machen als Clemens Meyer? Der Drehbuchautor, der nach dem Abitur als Bauarbeiter arbeitete, kommt selbst aus Halle. Sein Krimi beschäftigt sich mit der Geschichte der Stadt, mit traurigen Figuren, die ihrer Zeit zum Opfer gefallen und nach der Wende nie richtig angekommen sind.
Mit viel Fingerspitzengefühl und einer schnörkellosen Klarheit schafft es Meyer, das TV-Publikum in seinen Bann zu ziehen. Er hat es allerdings auch nicht schwer, denn die Figuren in diesem Film sind so authentisch wie besonders. Genau wie seine beiden Vorgänger schafft auch der dritte Halle-„Polizeiruf“ wieder eine ganz besondere Atmosphäre.