Prozess in Hamburg

Kinderzimmer als Beweis: Wusste Block von der Entführung?

20.03.2026 – 16:48 UhrLesedauer: 2 Min.

Christina Block und ihr Anwalt Ingo Bott: Die Hamburger Unternehmerin bestreitet die Vorwürfe der Anklage. (Quelle: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa/dpa-bilder)

Im Block-Prozess nutzt die Verteidigung Fotos als Entlastungsbeweis – doch ein Mitverteidiger räumt ein, Block habe von der Aktion gewusst. Der 41. Prozesstag verschärft den Konflikt.

Am 41. Verhandlungstag im Block-Prozess hat die Verteidigung am Hamburger Landgericht Fotos aus dem Wohnhaus der Angeklagten als Entlastungsbeweis eingeführt.

Verteidiger Ingo Bott verwies auf den unveränderten Zustand der Kinderzimmer. Die Zimmer seien unberührt gewesen, es habe keine Willkommensparty gegeben, und es seien weder Lebensmittel noch neue Kleidung eingekauft worden, argumentierte Bott. Das alles zeige, seine Mandantin habe nicht gewusst, dass ihre Kinder zurückkommen würden.

Mitverteidiger Sascha Böttner widersprach dieser Lesart. Böttner vertritt einen 36-jährigen Israeli, der zum Team des mutmaßlichen Entführungschefs David Barkay gehörte. Block habe zwar gewusst, was geplant sei, habe jedoch weder Tag noch Stunde der Aktion gekannt, erklärte Böttner. Das Fehlen einer Willkommensparty sage daher nichts über ihr Wissen aus. Auch Barkay hatte vor Gericht ausgesagt, Block habe von der Rückholung Kenntnis gehabt, sei aber nicht in Einzelheiten eingeweiht gewesen.

Christina Block ist angeklagt, eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, ihre beiden jüngeren Kinder in der Silvesternacht 2023/24 aus Dänemark nach Deutschland zu entführen. Laut Anklage zerrten maskierte Männer das damals 13-jährige Mädchen und den damals 10-jährigen Bruder an ihrem dänischen Wohnort in ein Auto. Die Kinder marschierten anschließend durch einen Wald und stiegen auf der deutschen Seite der Grenze in ein Wohnmobil, das sie nach Süddeutschland brachte. Block beteuert ihre Unschuld.

Ein 50-jähriger Kriminalbeamter sagte als Zeuge aus, er sei kurz nach der Tat mit einer Kollegin in die Grenzregion gefahren – an einen Ort bei Harrislee, den das Mädchen beschrieben hatte. Hinter einem Schuppen seien Ohrringe der Tochter gefunden worden, berichtete der Beamte. Eine Frau vor Ort habe zudem von einem Wohnmobil erzählt, das am 1. Januar 2024 verschwunden gewesen sei.

Block und ihr Ex-Mann Stephan Hensel haben vier gemeinsame Kinder. Nach einem Wochenendbesuch im Jahr 2021 brachte Hensel die beiden jüngeren nicht wie vereinbart zurück. Er erhob Gewaltvorwürfe gegen Block; sie bestreitet diese. Seither hat sie keinen Kontakt zu den beiden Kindern. Block ist die Tochter von Eugen Block, dem Gründer der Steakhaus-Kette „Block House“. Der Prozess wird am Dienstag, 24. März 2026, fortgesetzt.

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