Angebot im Eigelstein schockt Experten

Bei möblierten Wohnungen, wie dieser im Eigelstein, komme die Schwierigkeit hinzu, dass man die Möbel aus der Vergleichsmiete herausrechnen muss. Eine „Sisyphusaufgabe“ sei das, so Depel. Deshalb fordert der Kölner Mieterverein auch, dass in Mietverträgen der Möblierungszustand detailliert aufgeführt werden muss.

Auch andere rechtliche Instrumente greifen in der Praxis kaum: Das Wirtschaftsstrafgesetz verbiete zwar überhöhte Mieten bei Ausnutzung des geringen Angebots auf dem Wohnungsmarkt. Doch die Beweislast sei enorm, so Depel.

Selbst das Strafgesetzbuch helfe nicht weiter. Dort müsse nachgewiesen werden, dass eine Zwangslage oder Unerfahrenheit des Mieters vom Vermieter vorsätzlich ausgenutzt wurde. „In der Realität laufen viele Meldungen ins Leere – nicht weil die Miete nicht tatsächlich zu hoch wäre, sondern weil die rechtlichen Hürden einfach zu hoch sind“, erklärt der Geschäftsführer des Mietervereins.

Besonders dramatisch sei die Lage bei Kleinstwohnungen. In Köln seien etwa 52 Prozent aller Wohnungen Single-Wohnungen, so Depel. Gerade Studierende, von denen sehr viele in die Stadt gekommen seien und die kleine Wohnungen bräuchten, litten unter der Situation.

Die Entwicklung auf dem Mietmarkt sei schon länger einschneidend: Während Kölns Einwohnerzahl in den letzten 25 Jahren um 100.000 gestiegen sei, könne man „gar nicht so schnell bauen“, um die Nachfrage zu befriedigen.

Der Mietmarkt frustriert derzeit viele, nicht nur den Geschäftsführer des Mietervereins. Auf Reddit schreibt ein Nutzer: „Ich weiß gar nicht, was schlimmer ist, dass so was vermietet werden darf für 50 Euro pro Quadratmeter, oder dass sie es noch als toll verkaufen wollen.“ Ein anderer Kommentar fällt noch drastischer aus: „Die meisten Knastzellen in Deutschland sind besser.“

Eine Anfrage der Kölner Lokalredaktion an den Vermieter der Mini-Wohnung beantwortet dieser dann auch: mit der Einladung zu einer Wohnungsbesichtigung.

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