Kölner Redaktion
Alice Schwarzer stellt die „Emma“ ein
Aktualisiert am 21.10.2026 – 08:17 UhrLesedauer: 2 Min.
Die bekannte Kölner Feministin Alice Schwarzer stellt das Magazin „Emma“ ein. Die Zeitschrift wurde bis zuletzt aus der Domstadt produziert.
Das Aus eines bekannten Kölner Magazins ist besiegelt: Alice Schwarzer stellt nach 50 Jahren ihr feministisches Magazin „Emma“ ein. Die Ausgabe vom 8. Dezember werde die letzte sein, sagte die Frauenrechtlerin der Deutschen Presse-Agentur in Köln.
Sitz der Redaktion war bis zuletzt am Kölner Bayenturm in der Südstadt. Wie viele Mitarbeiter von dem Aus betroffen sind, war zunächst nicht zu erfahren.
Aus der „Emma“ in Köln: Alice Schwarzer ist „ermattet“
Wirtschaftliche Gründe seien dabei nicht ausschlaggebend. „Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben“, versicherte Schwarzer in einer Erklärung. „Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!“
„Emma“ habe über drei Generationen hinweg die Stellung gehalten und „gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus“ Position bezogen. „Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet.“ Schwarzer gilt als Deutschlands bekannteste Feministin. Die von ihr gegründete „Emma“ erschien am 26. Januar 1977 zum ersten Mal.
Ihr Motiv dabei beschreibt die Kölnerin heute so: „Es war die Frauenfeindlichkeit der von uns Feministinnen so genannten „Männermedien“, die mich zu dem Schluss kommen ließ, dass wir Journalistinnen ein eigenes Magazin, eine eigene Stimme haben müssten.“
Kritik an Alice Schwarzer nahm in den vergangenen Jahren zu
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 hat sich Schwarzer, teils zusammen mit Sahra Wagenknecht, immer wieder für schnelle Friedensverhandlungen mit Russland ausgesprochen. Kritiker werfen ihr vor, sie verliere aus dem Blick, wer in diesem Krieg der Aggressor und wer das angegriffene Land sei. 2024 räumte sie ein, dass ihre Haltung zum Ukraine-Krieg auch Folgen für die Abonnentinnenzahl der „Emma“ habe.
Zwar habe es „für Emmas Friedenskurs“ 2023 viel Zustimmung von den Leserinnen gegeben. „Aber immerhin jede fünfte Leserin hat aus Protest ihr Abonnement gekündigt. Das soll weh tun – und tut es auch. Warum tun Leserinnen das bei einem Magazin, das vom Abo lebt?“ Sie werde sich davon aber nicht einschüchtern lassen.
Proteste zog Schwarzer auch mit ihrer Haltung zu Transpersonen auf sich. 2023 forderten 33 Autorinnen und Künstler die Absage einer Veranstaltung mit ihr beim Literarischen Herbst in Leipzig, weil sie immer wieder durch „transfeindliche, rassistische und misogyne Aussagen und Publikationen“ auffalle. Schwarzer reagierte empört, sie habe Transsexuelle noch nie angegriffen, versicherte sie der dpa.
„Was ich allerdings kritisch sehe, ist die neue Transideologie, die das Recht auf den Personenstandswechsel ab dem 14. Lebensjahr und auf gefährliche Hormonbehandlungen und Operationen für alle fordert.“ Es müsse möglich sein, diese Meinung zu vertreten, ohne gleich aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen zu werden.
Anfangs befand sich die „Emma“-Redaktion am Kolpingplatz direkt in der Kölner Innenstadt. An Weiberfastnacht ging die Redaktion immer geschlossen auf dem Alter Markt Karneval feiern. Später zog die Redaktion in den mittelalterlichen Bayenturm im Kölner Rheinauhafen um. Hier arbeitete Schwarzer unter einem Bild der französischen Philosophin und Frauenrechtlerin Simone de Beauvoir, die ihr in den 60er Jahren den Weg gewiesen hatte.
