
Wegen Berichterstattung
Aktivisten besetzen das „Spiegel“-Foyer in Hamburg
Aktualisiert am 30.01.2026 – 15:42 UhrLesedauer: 2 Min.
Der „Spiegel“ berichtet differenziert über die schwierige Lage in Nordostsyrien. Aktivisten stürmen daraufhin das Medienhaus und fordern eine Änderung der Berichterstattung.
Aktivisten des Bündnisses „RiseUp4Rojava“ haben am Freitagvormittag kurzzeitig das Foyer des Hamburger Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ besetzt. Sie kritisierten damit nach eigenen Angaben die „Spiegel“-Berichterstattung über die demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien sowie die aktuelle Belagerung der syrischen Stadt Kobanê. Nach rund einer Stunde zogen die 20 bis 30 Aktivisten nach Angaben der Polizei wieder ab.
Das Magazin stelle die kurdische Selbstverwaltung sowie die demokratischen Kräfte Syriens in ein verzerrtes Licht und ignoriere zentrale Aspekte der humanitären und völkerrechtlichen Situation in Rojava, klagten die Aktivisten. „Der Spiegel wird dem eigenen Anspruch ‚Sagen, was ist‘ nicht gerecht.“
Im Januar hatte der Spiegel den Text „Welches Spiel die mächtigste Kurdenmiliz in Syrien treibt“ veröffentlicht. In diesem berichtete unter anderem der langjährige Auslandskorrespondent Christoph Reuter aus Ostsyrien, wie die kurdische SDF-Miliz alles dafür tue, um ihre Herrschaft aufrechtzuerhalten. Dabei überwiege bei vielen Menschen vor Ort die Zustimmung über die neue Regierung des syrischen Machthabers Ahmed al-Scharaa.
Diese Berichte „kollidieren mit dem Narrativ, das die beharrliche Lobbyarbeit kurdischer Aktivisten und europäischer Linker erfolgreich auch in Deutschland etabliert hat. Da dominiert die Bestürzung, dass die syrische Übergangsregierung mit ’systematischer Gewalt‘ gegen die kurdische Minderheit vorgehe“, schreibt der Spiegel. „Nur sieht die Realität anders aus als in den PR-Versionen von bedrohten Kurden vs. einer Radikalenregierung“, so die Autoren des Textes weiter.
Eine „Spiegel“-Sprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur, die teilweise vermummten Aktivisten hätten eine andere Berichterstattung über die Region Rojava in Kurdistan sowie die Depublizierung des besagten Artikels gefordert. „Mit Verweis auf die Meinungs- und Pressefreiheit ist die ‚Spiegel‘-Chefredaktion darauf nicht eingegangen, hat aber im Sinne der Deeskalation ein Gespräch mit einer kleinen Delegation in den nächsten Wochen angeboten.“
Daraufhin habe die Gruppe das Haus friedlich verlassen, sagte die Sprecherin. „Vor dem Haus hat sie sich einer angemeldeten Versammlung angeschlossen, die sich kurz danach ebenfalls aufgelöst hat.“ Die vom „Spiegel“ verständigte Polizei erklärte auf Anfrage, dass die Aktivisten gegen 9 Uhr erschienen seien und das Gebäude gegen 10 Uhr friedlich wieder verlassen hätten. Von den Aktivisten seien wegen mutmaßlichen Hausfriedensbruchs die Personalien aufgenommen worden.