AfD will Donald Trumps umstrittenste Idee mit ICE-Beamten kopieren

„Kompetenz aus einer Hand“

AfD will Trumps umstrittenste Idee kopieren


Aktualisiert am 30.01.2026 – 07:40 UhrLesedauer: 5 Min.

Beamter der Grenzschutzpolizei in Minneapolis: Sie werden verstärkt zusammen mit ICE-Beamten im Landesinneren eingesetzt. (Quelle: IMAGO/Madison Thorn/imago)

Sie sollen Trumps Abschiebe-Versprechen wahr machen, doch die Methoden der Beamten sorgen in den USA für Entsetzen und Proteste. Die AfD findet sie gut – und plant für Deutschland Ähnliches.

Sie sind Donald Trumps martialische Eingreifgruppe, die Speerspitze für seine Abschiebeoffensive: die Männer des United States Immigration and Customs Enforcement (ICE) und der Border Patrol. Maskiert und schwer bewaffnet führen sie Razzien durch, riegeln ganze Wohnblocks ab, fesseln Bewohner, nach Augenzeugenberichten sogar Kinder. Eigentlich sollen illegale Einwanderer ihr Ziel sein, immer wieder aber geraten auch legale Migranten und US-Staatsbürger in ihr Visier. Mit Renée Good und Alex Pretti wurden in den vergangenen Wochen zwei US-Bürger von Einsatzkräften erschossen.

Trump hat ICE in seiner zweiten Amtszeit massiv aufgestockt, von 10.000 auf 22.000 Einsatzkräfte. Die Einstellungskriterien stehen in der Kritik, der Vorwurf: Man werbe um Rechte und Rechtsextreme, bilde Anwärter zudem schlecht aus. Zunehmend wird die Border Patrol unter Trump innerhalb des Landes eingesetzt, bei großen Einsätzen agiert sie im Schulterschluss mit ICE. Die Bilder von Festnahmen und Abschiebungen teilen Trumps Behörden auf ihren Social-Media-Accounts. Das Ziel: weit über die US-Grenzen hinaus abschrecken.

Die AfD findet ICE gut. Sie verfolgt ähnliche Pläne für Deutschland. Die Partei, die Trump für sich ohnehin in vielem als Segen begreift, will also auch sein vielleicht umstrittenstes Instrument kopieren.

Besonders deutlich ist die AfD in Bayern geworden, wo bald Kommunalwahlen anstehen. Dort hat die AfD-Fraktion – kurz vor dem Tod von Alex Pretti – in einem Positionspapier erklärt, eine spezialisierte Einheit innerhalb der bayerischen Polizei schaffen zu wollen, „ähnlich wie das ICE in den USA“. Die solle Asyl-, Flüchtlings- und Abschiebegruppe heißen, kurz: AFA, und durch „fokussierte Arbeit“ die Abschiebequote deutlich erhöhen. Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner forderte außerdem „abendliche Ausgangssperren für Asylbewerber“, um die „öffentliche Sicherheit zu steigern“.

AfD-Chefin Alice Weidel unterstützt die Idee ihrer Parteikollegen in Bayern, ICE zu kopieren. Danach gefragt, sagte sie am Dienstag, drei Tage nach dem Tod von Alex Pretti: „Offene Grenzen töten.“ Abschiebungen müssten auch in Deutschland konsequent umgesetzt werden. Was im Fall von Pretti genau geschah, sei auf die Ferne „sehr schwer zu bewerten“, so Weidel. Sie habe Vertrauen in die deutsche Polizei, dass diese „unter dem Aspekt der Verhältnismäßigkeit“ agieren würde.

Videos von dem Vorfall in Minneapolis zeigen, wie Pretti zwischen eine Frau und mehrere Beamte tritt. Beamte ringen ihn zu Boden, einer entfernt offenbar Prettis Waffe von seiner Hüfte. Dann schießen zwei Beamte Pretti, der sich am Boden befindet, von hinten mehrfach in Kopf und Körper. Pretti trug seine Waffe legal und hatte sie dem bisher verfügbaren Videomaterial zufolge nicht gezückt.

Aktie.
Die mobile Version verlassen