Konzertauftritte des AfD-Abgeordneten Moosdorf in Russland finanzierte der Kreml. Nun war er wieder in Moskau. Offenbar vermittelt er ein Musikfestival – mit Staatschef Putin als Gast?

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Moosdorf ist erneut nach Russland gereist und hat dort einen außenpolitischen Berater von Staatschef Wladimir Putin getroffen. Das belegt ein Foto, das t-online vorliegt. Zweck der Reise Anfang März war, ein internationales Chorfestival in Russland zu organisieren – zu dem möglicherweise auch Kremlchef Putin kommen soll.

Laut Informationen von t-online soll das Event 2027 stattfinden. Es wird demnach vom russischen Außenministerium und einer staatlichen Stiftung unterstützt. Weder Moosdorf noch der deutsche Veranstalter hinter dem Festival haben das Treffen und die Planungen bislang öffentlich kommuniziert.

Bei Fragen zur Bezahlung verstrickte er sich anschließend in Widersprüche: Moosdorf hatte t-online zunächst schriftlich mitgeteilt und öffentlich verbreitet, ein international übliches Honorar für die Konzerte erhalten zu haben. Später sagte er anderen Medien, er habe extra kein Honorar genommen, da andernfalls eine zu große Nähe zu Putin „herbeifantasiert“ werden könne.

Bei seiner aktuellen Reise nach Moskau trat Moosdorf als „Ehrenbotschafter“ des deutschen Vereins Interkultur auf. Unter dem Dach dieser Marke veranstaltet der Deutsche Günter Titsch seit mehr als 20 Jahren internationale Chorkonzerte. Seine damit verbundenen Unternehmen setzen laut Schätzungen jährlich Millionen um.

Das größte Festival dieser Art – die World Choir Games, die er selbst als Chorolympiade bewirbt – will er nun erneut nach Russland bringen. Das ist kein kleines Unterfangen: Der mehrtägige Wettbewerb brachte zuletzt nach eigenen Angaben in Neuseeland 11.000 Teilnehmer auf die Bühne. Hinzu kamen noch 25.000 Zuschauer. Insgesamt soll die Wertschöpfung für die dortige Tourismusbranche bei rund 20 Millionen US-Dollar gelegen haben.

Für Staatschef Putin – das ist wohl das Kalkül seitens des Kremls – würde das Festival aber nicht nur Geld in die knappen Kassen der russischen Wirtschaft spülen. Russland nutzt Veranstaltungen mit internationalen Gästen auch regelmäßig, um seine außenpolitische Isolation zu überspielen. Bereits 2016 fanden die World Choir Games in Russland, im dortigen Sotschi, statt. Putin war damals eingeladen, übermittelte letztendlich lediglich ein Grußwort. Das könnte dieses Mal anders sein.

Denn Gesprächspartner für Moosdorf und Titsch war Anfang März in Moskau Putins außenpolitischer Berater Anton Kobyakov. Er organisiert im Auftrag des russischen Staatschefs internationale Konferenzen wie zuletzt das Arktis-Forum. Zusätzlich führt er Gespräche mit ausländischen Diplomaten, um bilaterale Kooperationen anzubahnen. Insbesondere ist er aber zuständig für Veranstaltungen, an denen Putin persönlich teilnehmen soll. Unstrittig jedenfalls ist, dass die deutschen Organisatoren eine enge Kooperation mit dem russischen Staat suchen.

Neben Günter Titsch und Moosdorf saß der deutsche Kulturmanager Hans-Joachim Frey mit am runden Tisch in Moskau, an dem die Festspiele besprochen wurden. Er leitete mehr als 15 Jahre den Semperopernball in Dresden und ist für die Ausrichtung des Dresdner Opernballs in Sankt Petersburg bekannt. Er organisierte in Russland auch die Festivals, bei denen Moosdorf auftrat. Dafür nutzte er seine Stiftung Brücke der Künste, deren Kuratorium ein Jugendfreund Putins vorsitzt: der Oligarch Boris Rotenberg. Über die Stiftung liefen damals die staatlichen Zuschüsse. Als Sponsor trat die staatliche Roscongress-Stiftung auf, die Putins Wirtschaftsgipfel in Sankt Petersburg veranstaltet.

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