
Historiker Neitzel bei Lanz
„Da sehe ich die AfD eher auf der Seite Russlands“
12.02.2026 – 03:46 UhrLesedauer: 4 Min.
Bei „Markus Lanz“ wird deutlich, dass gerade eine neue Weltordnung entsteht. Wie die AfD sich dazu positioniert, versuchte ihr führender Verteidigungspolitiker zu erklären.
Sind die USA auf dem besten Weg, in eine Diktatur abzugleiten? Und wie können Deutschland und Europa ihre Sicherheit in unruhigen Zeiten verteidigen, wenn auf die Vereinigten Staaten kaum noch Verlass ist? Markus Lanz diskutierte mit seiner Talkrunde vor dem Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz über die geopolitischen Perspektiven des Kontinents. Der AfD-Politiker Rüdiger Lucassen, selbst Teilnehmer bei dem internationalen Treffen, musste sich auf seine patriotische Überzeugung abklopfen lassen und geriet angesichts vergangener Äußerungen unter Rechtfertigungsdruck.
Der verteidigungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion interpretierte bei seinem Auftritt die neue außenpolitische Linie der USA vor allem als Chance für Deutschland und Europa, verteidigungspolitisch auf eigenen Beinen zu stehen. „Viele der älteren Kameraden, die im Kalten Krieg aufgewachsen sind, haben sicherlich Schwierigkeiten umzudenken, aber ich erkenne, dass Amerika trotzdem an unserer Seite bleibt“, so der ehemalige Bundeswehroffizier.
Lucassen, der als Befürworter einer Wiedereinsetzung der Wehrpflicht gilt, zeigte sich überzeugt, dass diese „spätestens dann, wenn die Ziele des Wehrdienst-Modernisierungsgesetzes nicht erreicht werden“, unumgänglich sei. Die Pläne sehen ein Anwachsen der Truppe auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten bis 2035 und eine jährliche Verstärkung um 30.000 bis 2029 vor.
Dafür, dass er selbst noch in einer Bundestagsrede am 16. Oktober 2025, die ausschnittweise eingespielt wurde, der Bundesregierung vorgeworfen hatte, „mit ihrer linksgrünen Agenda“ alles zu bekämpfen, wofür es sich zu kämpfen lohne, musste sich der AfD-Politiker in der Talkrunde rechtfertigen. Markus Lanz beurteilte Lucassens Rede, in der dieser auf „ganze Stadtteile unter Clan-Kontrolle“, „Friedensrichter in Hinterhof-Moscheen“ und „millionenhaften Sozialbetrug“ verwiesen hatte, als unpatriotisch. Der Moderator warf Lucassen vor, mit seiner Frage „Wofür noch tapfer sein?“ auf den gleichen Sound wie Höcke zu setzen.
Der AfD-Politiker wollte darin keinen Widerspruch erkennen und stritt Gemeinsamkeiten mit Höckes Positionen ab. Was in seiner Rede zum Ausdruck komme, sei sein Vorwurf an die Regierung, nicht dafür zu sorgen, dass in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür entstehe, was verteidigungswert sei, erklärte er. Überzeugen konnte er die Diskussionsrunde damit nicht.