Interner Brandbrief an Weidel
AfD-Abgeordneter belastet NRW-Landeschef
Aktualisiert am 26.08.2026 – 15:43 UhrLesedauer: 3 Min.
Manuel Krauthausen schildert der AfD-Parteispitze eine umstrittene Personalregel und innerparteilichen Druck. Martin Vincentz soll an einem Gespräch über das Modell beteiligt gewesen sein. Der Landeschef widerspricht.
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Manuel Krauthausen hat in einem internen Schreiben schwere Vorwürfe gegen Parteifreunde in Nordrhein-Westfalen erhoben. Der neunseitige Brief richtet sich an die Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla sowie die übrigen Mitglieder des Bundesvorstands und liegt t-online vor.
Im Mittelpunkt steht die sogenannte 35/65-Regelung. Nach Krauthausens Darstellung gab es den umstrittenen Plan, dass Bundestagsabgeordnete 35 Prozent ihres vom Bundestag finanzierten Mitarbeiterbudgets stattdessen dafür verwenden, ausgeschiedene Amts- und Mandatsträger als Mitarbeiter anzustellen. Für ihre übrigen Büromitarbeiter wären nur noch 65 Prozent geblieben. Falls die ausgeschiedenen Amts- und Mandatsträger in der Landespartei statt der Bundestagsverwaltung arbeiten, kann das strafrechtlich relevant sein.
Krauthausen behauptet, ein anderer NRW-Abgeordneter habe ihm das Modell kurz nach der Bundestagswahl 2025 angeboten. Später will er darüber mit NRW-Landeschef Martin Vincentz und dem damaligen Pressesprecher Kris Schnappertz gesprochen haben.
35 Prozent für ein „Auffangnetz“
Erstmals sei Krauthausen am 24. Februar 2025 darauf angesprochen worden. Sein Gesprächspartner habe erklärt, mit diesem Anteil solle eine Art „Auffangnetz“ geschaffen werden. Krauthausen schreibt, er habe verlangt, dass Vincentz ihm das Modell persönlich erkläre.
Zu dem Gespräch sei es später im Düsseldorfer Landtag gekommen. Schnappertz habe daran teilgenommen und die Gesprächsführung übernommen. Vincentz und Schnappertz hätten versichert, das Vorgehen sei nicht illegal, sondern eine „Grauzone“, die genutzt werden könne. In Niedersachsen sei ein solches Modell üblich. Dort ermittelt aktuell die Staatsanwaltschaft im Umfeld der AfD. Zudem sei Krauthausen darauf hingewiesen worden, dass auch er nach einem Ausscheiden aus dem Bundestag einmal auf dieses Auffangnetz angewiesen sein könnte.
Krauthausen will eine Beteiligung abgelehnt haben. Nach seiner Darstellung beteiligten sich jedoch zwei andere NRW-Abgeordnete an der Regelung. Zwei weitere seien zumindest darauf angesprochen worden. Namen nennt er nicht. Belege für eine tatsächliche Umsetzung enthält sein Schreiben ebenfalls nicht. Zugleich stellt Krauthausen klar, dass er keine Erkenntnisse über Bargeld-Schwarzkassen im Landesverband habe.
Vincentz weist den Vorwurf zurück
Vincentz widersprach der Darstellung in der „Bild“-Zeitung. „Das ist Unsinn! Es ging nie um eine verbindliche Regelung“, sagte der Landeschef. Schnappertz hatte bereits ähnliche Schilderungen des AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian Kneller bei t-online bestritten.
