Ärzte warnen vor Risiken für Kunden

Ein Risiko für die Kunden?

Ärzte warnen vor Gesundheitschecks bei dm


22.01.2026 – 15:06 UhrLesedauer: 2 Min.

dm: Hier können Kunden nun auch Gesundheitsangebote wie Augenchecks oder Hautuntersuchungen nutzen. (Quelle: Jan Huebner/imago-images-bilder)

Die Drogeriemarktkette dm bietet mancherorts Gesundheitsdienstleistungen wie Augenscreenings und Bluttests an. Doch diese Angebote stoßen auf scharfe Kritik.

dm geht einen neuen Weg: Seit einigen Monaten bietet die Kette nicht mehr nur Kosmetikprodukte und Nahrungsergänzungsmittel, sondern auch Gesundheitsdienstleistungen an. Kunden können in manchen dm-Filialen Augenchecks, Hautscreenings und sogar Blutanalysen durchführen lassen. Die Drogeriekette positioniert sich damit als vermeintlicher „Gesundheitsnahversorger“. Doch das führt zu Besorgnis in der Ärzteschaft.

Kürzlich meldete sich die Bundesärztekammer (BÄK) zu Wort. Ihr Präsident Klaus Reinhardt kritisierte die neuen Angebote scharf: „Medizinische Diagnostik lässt sich nicht im Vorbeigehen erledigen. Messungen in Drogerien vermitteln den Eindruck von Sicherheit, liefern aber lediglich isolierte Momentaufnahmen ohne medizinischen Kontext.“ Diese Art von Diagnostik könne Menschen verunsichern oder ihnen ein falsches Gefühl der Sicherheit geben, wodurch notwendige Behandlungen gefährlich verzögert werden könnten.

Reinhardt betonte, dass eine verantwortungsvolle medizinische Diagnose mehr umfasst als das bloße Ablesen von Messwerten. Dazu gehören Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls differenzialdiagnostische Überlegungen. „Nur Ärzte können Befunde im Gesamtzusammenhang einordnen und medizinisch verantwortbare Entscheidungen treffen“, erklärte der BÄK-Präsident.

Die angebotenen Gesundheitschecks, wie Hautuntersuchungen, KI-gestützte Augenscreenings und Blutanalysen, sind laut Reinhardt risikobehaftet. Besonders bei der Blutdiagnostik gebe es potenzielle Fehlerquellen wie falsche Probenahme oder unzureichende Lagerung, die zu fehlerhaften Ergebnissen führen könnten.

Auch seien Drogeriemärkte weder personell noch räumlich auf medizinische Notfälle vorbereitet. „Wer Diagnostik anbietet, trägt Verantwortung, und diese lässt sich in einem Ladengeschäft ohne medizinische Infrastruktur schlicht nicht erfüllen“, so Reinhardt weiter.

Nicht nur medizinische Fachgesellschaften, auch juristische Stellen äußern Bedenken. Die Wettbewerbszentrale hat bereits rechtliche Schritte gegen dm eingeleitet und sieht in den Augenchecks in den Filialen Verstöße gegen das Heilmittelwerbegesetz und andere Vorschriften.

Trotz der scharfen Kritik bleibt dm bei seinem Kurs. In einer Stellungnahme betonte der Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung, Sebastian Bayer, dass das Unternehmen mit den neuen Gesundheitsdiensten auf den Bedarf nach mehr Prävention und Gesundheitsförderung reagieren wolle. „Es geht uns darum, Menschen für ihre Gesundheit zu sensibilisieren und ihnen leicht zugängliche Möglichkeiten zur Vorsorge zu bieten“, so Bayer.

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