Volkskrankheit betrifft nicht nur den Körper

Studie zeigt: Die Betroffenen leiden oft auch seelisch


Aktualisiert am 19.06.2026 – 13:28 UhrLesedauer: 2 Min.

Im höheren Lebensalter erkranken mehr Menschen an Typ-2-Diabetes. Die Folgen sind nicht immer nur körperlich spürbar. (Quelle: SolStock/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Typ-2-Diabetes geht offenbar mit mehreren psychischen Belastungen einher. Das zeigt eine neue Untersuchung.

Viele Menschen, die an Typ-2-Diabetes erkrankt sind, haben auch Depressionen: Dieser Zusammenhang ist seit Langem bekannt. Nun rücken weitere seelische Belastungen in den Fokus: Eine große deutsche Studie des Robert Koch-Instituts zeigt, dass ältere Menschen mit Diabetes dieses Typs häufiger unter Einsamkeit leiden. Zudem scheint die Stoffwechselerkrankung oft mit dem Gefühl von Energiemangel sowie einer geringeren Lebenszufriedenheit verbunden zu sein.

Mehr als 3.500 ältere Menschen gaben Auskunft über ihr Befinden

Für die Studie analysierte das Forschungsteam Daten der bundesweiten Langzeitstudie „Gesundheit 65+“. Insgesamt flossen Angaben von 3.547 Menschen ab 65 Jahren ein. Von ihnen hatten 722 (21 Prozent) einen Typ-2-Diabetes.

Alle Teilnehmer waren wiederholt befragt worden: zu depressiven Beschwerden, Einsamkeit, Energielevel, Lebenszufriedenheit, Zufriedenheit mit ihrem Aktivitätsniveau und sozialer Unterstützung. Ausgehend von ihren Auskünften konnten die Wissenschaftler vergleichen, wie es um das psychische Befinden in beiden Gruppen bestellt war.

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Diabetiker häufiger psychisch belastet

Bei der Auswertung bestätigte sich einerseits, was man bereits wusste: Menschen mit Typ-2-Diabetes neigen zu depressiven Beschwerden. Teilnehmer mit Diabetes berichteten fast doppelt so häufig über depressive Symptome wie Teilnehmer ohne Diabetes (15 statt 8 Prozent).

Die Unterschiede zeigten sich noch in anderen Bereichen. Menschen mit Typ-2-Diabetes berichteten häufiger von Einsamkeit (29 statt 21 Prozent) und fehlender Energie (26 statt 16 Prozent). Außerdem waren sie seltener mit ihrem Leben zufrieden (62 statt 74 Prozent).

Die Unterschiede ließen sich übrigens nicht allein dadurch erklären, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes häufiger andere Gesundheitsprobleme haben. Selbst nachdem die Forscher Alter, Geschlecht, Bildung, Übergewicht, Bewegung sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs berücksichtigt hatten, blieb das Muster bestehen. Menschen mit Typ-2-Diabetes hatten ein um 60 Prozent höheres Risiko für depressive Symptome. Auch das Risiko für Einsamkeit, fehlende Energie und eine geringere Lebenszufriedenheit war erhöht.

Was ist Typ-2-Diabetes?

Typ-2-Diabetes ist die häufigste Form der Stoffwechselerkrankung. Dabei reagiert der Körper nicht mehr ausreichend auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin. In der Folge steigt der Blutzuckerspiegel dauerhaft an und kann langfristig Blutgefäße, Nerven und Organe schädigen.

Warum das so ist, bleibt offen

Warum Typ-2-Diabetes und psychische Belastungen so häufig gemeinsam auftreten, kann die Studie nicht beantworten. Denkbar wäre einerseits, dass die tägliche Behandlung einer chronischen Erkrankung belastend ist.

Andererseits könnten biologische Prozesse wie chronische Entzündungen oder eine gestörte Insulinwirkung auch das Gehirn beeinflussen. Ebenso ist möglich, dass psychische Belastungen das Diabetesrisiko erhöhen. Welche Richtung der Zusammenhang hat, lässt sich aus den Daten nicht ableiten.

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