Achtsamkeit fern der Skipisten – Tipp für München

Tiroler Tourismusneuheit

Karwendel lockt mit Yoga im Tiefschnee

01.02.2026 – 13:39 UhrLesedauer: 3 Min.

Schneeschuhe aus Holz (Sybmolbild): Am Karwendel kann man Stress abbauen in der Natur zur Winterzeit. (Quelle: Jörg Michel/dpa-tmn)

Yoga muss nicht im Warmen stattfinden. In Tirol verbindet ein Angebot Schneeschuhwandern mit Atem- und Achtsamkeitsübungen – fernab der Skipisten.

An diesem Tag treffen sich am Parkplatz Hochpillberg oberhalb des Unterinntals rund ein Dutzend Menschen, schnallen Schneeschuhe an – und sollen erst einmal leiser werden. Yogalehrerin Daniela Hochmuth bittet die Gruppe, die ersten Meter zum Reden zu nutzen, danach solle es ums Wahrnehmen gehen: Stille, Geräusche im Schnee, der eigene Atem.

Die Tourismusregion nennt sich Silberregion Karwendel und wirbt mit Winterangeboten abseits der Piste. Der Name erinnere an den historischen Silberbergbau; heute vermarkte sich die Gegend zwischen Tuxer Alpen und Karwendelgebirge als „Schneeschuhdestination Tirols“.

Für die Einheit führt Hochmuth die Gruppe auf den „Weg der Sinne“, einen Winterwanderweg mit Kunstwerken, Ruhezonen und Blicken hinüber zum Karwendel. Auf einer Lichtung stellt sich die Gruppe im Kreis auf. Hochmuth zitiert ein Gedicht des US-Umweltaktivisten Derrick Jensen – da klingelt ein Handy. Sie lässt es unbeachtet und beginnt mit einfachen Übungen: Hände kneten, Schultern drehen, Hüften kreisen.

Dann folgt die „Berghaltung“: hüftbreiter Stand, Becken aufrichten, Bauchnabel einziehen. „Ich lade euch ein, so stabil zu sein wie ein Berg und einfach mal den Atem zu beobachten“, sagt sie – und lässt eine Pause zu, „lang genug, um runterzukommen, kurz genug, um nicht auszukühlen“.

Auf dem Weg zur nächsten Station sollen die Teilnehmenden ihren Gehrhythmus spüren: Wie klingt der Schneeschuhschritt, wenn man nicht redet?

Yoga bestehe nicht nur aus Sport, sondern auch aus Meditation und Philosophie, heißt es in der Gruppe. Im Schnee setzt das Grenzen: „Den Sitz vom Buddha können wir hier nicht machen“, sagt Hochmuth. Trotzdem funktionierten viele Haltungen, etwa Ausfallschritt, Stuhlhaltung oder „Adlerarme“. Gehen, stehen, ein- und ausatmen, strecken, vorbeugen – das klappe auch mit den „Tellern“ unter den Füßen.

Spaß mache es vor allem, wenn das Wetter mitspiele. Bei Kälte und Schneefall wolle niemand lange praktizieren, sagt Jürgen Husch, der im Allgäu als Yogalehrer und Wanderführer selbst Yoga und Schneeschuhwandern kombiniere. Die Achtsamkeitsübungen im Schnee seien dann eher Ergänzung als Ersatz.

Zur Schneeschuhwoche gehört laut Tourismusverband auch Lawinenkunde. Die örtliche Bergrettung erkläre Gefahren, Ausrüstung und Verhalten – weil Schneeschuhwanderungen oft ins alpine Gelände führten.

Für Nicki aus Nürnberg ist genau das der Reiz: einen meditativen Rhythmus im Schnee finden. Am Tag des Schneeschuh-Yoga teilt sie sich jedoch mit Freundin Elke auf. Elke wählt den „Weg der Sinne“ und sagt später, sie habe „wunderbar entspannen“ können – Kamera-Klicken oder ein Flugzeugmotor seien an ihr vorbeigegangen, dafür habe sie Sonne, Wind und den Blick über das Inntal wahrgenommen.

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