Acht-Stunden-Tag vor dem Aus: Regierung plant Wochenarbeitszeit-Modell

Vorhaben aus Koalitionsvertrag

Regierung plant Abschaffung von Acht-Stunden-Tag


28.01.2026 – 08:52 UhrLesedauer: 2 Min.

Im Koalitionsvertrag einigten sich die regierungspartner auf eine Reformerung des Arbeitszeitgeseztes. (Archivbild) (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

Die Bundesregierung plant die Abschaffung des Acht-Stunden-Tags zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Gewerkschaften warnen jedoch.

„Wir müssen mehr arbeiten“ – so lautet die wiederholte Forderung von Bundeskanzler Friedrich Merz in der Debatte um die Arbeitszeit in Deutschland. In seiner Partei findet er damit offenbar Anklang. Zu Beginn der Woche sorgte ein Vorstoß des CDU-Wirtschaftsflügels für Aufsehen: Unter dem Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ will man einer Entwicklung entgegenwirken, bei der sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer immer häufiger für Arbeitszeitmodelle mit reduzierten Wochenstunden entscheiden. Beim Koalitionspartner SPD stieß der Vorschlag auf Empörung.

Als nächster Schritt soll nun der Acht-Stunden-Tag fallen. Statt einer gesetzlich geregelten täglichen Höchstarbeitszeit soll eine Flexibilisierung hin zu einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit erfolgen. Bereits an diesem Mittwoch soll die Regierung die neue nationale Tourismusstrategie beschließen, berichtet die „Bild“. Darin ist die neue Reglung enthalten. Gerade in Bereichen des Gastgewerbes mit Saison-, Wochenend- und Nachtarbeit verspricht man sich davon positive Effekte.

Darauf aufbauend soll eine Reform des Arbeitszeitgesetzes folgen, auf die sich CDU und SPD bereits im Koalitionsvertrag verständigt hatten. Diese soll schließlich alle Branchen betreffen. Christoph Ploß, CDU-Politiker und Koordinator der Bundesregierung für Tourismus, kündigte der „Bild“ an, dass die Regierung noch in diesem Jahr einen Beschluss zur Flexibilisierung der Arbeitszeit fassen wolle. Zudem soll Mehrarbeit für Beschäftigte attraktiver werden: Überstundenzuschläge sollen künftig steuerfrei gestellt werden, Teilzeitbeschäftigte könnten mit einer Einmalprämie zur Ausweitung ihrer Arbeitszeit motiviert werden.

Während sich die Koalition in dieser Frage womöglich einigen kann, kommt scharfe Kritik von den Gewerkschaften. Die bestehenden Regelungen – etwa die Möglichkeit, die tägliche Arbeitszeit auf bis zu zehn Stunden auszuweiten, sofern der Acht-Stunden-Durchschnitt innerhalb von sechs Monaten eingehalten wird – seien völlig ausreichend. Verdi und IG Metall warnen vor erheblichen gesundheitlichen Risiken sowie einer schlechteren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Eine Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus dem Jahr 2025 zeigt zudem, dass 84 Prozent der Befragten der Ansicht sind, eine gesetzliche Begrenzung der täglichen Arbeitszeit schütze vor Überarbeitung. Gleichzeitig erklärten sich rund ein Drittel der Befragten bereit, an einzelnen Tagen mehr als zehn Stunden zu arbeiten.

Auch der wirtschaftliche Effekt längerer Arbeitszeiten gilt bislang als fraglich. Studien zeigen, dass nach acht Stunden die Produktivität in der Regel sinkt und die Fehleranfälligkeit steigt – mit teils gesundheitlichen Folgen, je nach Beruf. In skandinavischen Ländern wie Schweden wiederum weisen Untersuchungen zum Sechs-Stunden-Arbeitstag auf Produktivitätssteigerungen, höhere Zufriedenheit und sinkende Krankheitstage hin. Letzteres ist ein Punkt, den Bundeskanzler Friedrich Merz selbst wiederholt kritisiert hatte: Die Zahl der Krankheitstage in Deutschland sei zu hoch.

Aktie.
Die mobile Version verlassen