
Familienunternehmer in der Kritik
Deutsche Bank zieht Konsequenzen wegen AfD-Einladung
Aktualisiert am 25.11.2025 – 13:43 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Wirtschaftsverband hat AfD-Politiker zu einem Austausch eingeladen. Jetzt verliert die Lobbygruppe deshalb ihren bevorzugten Veranstaltungsort.
Die Deutsche Bank hat einem weiteren Parlamentarischen Abend des Familienunternehmer-Verbands in ihrer Berliner Repräsentanz eine Absage erteilt. Zuerst berichtete das „Handelsblatt“ darüber. t-online erfuhr aus Konzernkreisen, dass zukünftig keine Veranstaltungen des Verbands mehr in den Räumlichkeiten stattfinden sollen, da deren Entscheidung über die Einladung der AfD negativ auf die Bank zurückfallen könnte.
Im Oktober hatte der Verband seinen Parlamentarischen Abend im Atrium der Deutschen Bank Unter den Linden nahe dem Brandenburger Tor abgehalten. Dabei waren erstmals auch Vertreter der AfD eingeladen. Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte t-online, dass das Institut die Räumlichkeiten für die Veranstaltung bereitgestellt hatte. „Die Deutsche Bank hatte aber keine Kenntnis von der Gästeliste und auch keinen Einfluss darauf“, sagte der Sprecher.
Die Lobbyorganisation wurde bereits 1949 gegründet, heute gehören ihr rund 6.600 Unternehmerinnen und Unternehmer an. Nach Angaben der Präsidentin Marie-Christine Ostermann wurde das bisherige „Kontaktverbot“ zu AfD-Bundestagsabgeordneten bei dem Parlamentarischen Abend am 8. Oktober aufgehoben. Anwesend war dann auch der wirtschaftspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Leif-Erik Holm. Der Politiker ist auch AfD-Kandidat für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im nächsten Jahr.
Holm hatte den Schritt des Verbands öffentlich begrüßt und erklärt, die strukturellen Probleme im Land seien „zu groß, als dass man sich mit unsinnigen Brandmauern aufhalten könnte“.
Die Öffnung des Verbands für Gespräche mit AfD-Fachpolitikern löst seit Wochen Diskussionen aus. Vertreter anderer Wirtschaftsverbände halten an dem Ausschluss der AfD weiter fest. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion verwies darauf, dass die AfD-Programmatik Unternehmen schade und keine Grundlage für eine Zusammenarbeit biete. Die Kritiker warnen, dass die AfD vom Bundesamt für Verfassungsschutz in mehreren Ländern als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wurde und nicht als normaler Gesprächspartner behandelt werden dürfte.
Ostermann erklärte jedoch, dass weder Ausgrenzung noch strikte Abwehr der AfD geholfen hätten, die Partei politisch zurückzudrängen. Bundesweit liegt die Partei derzeit bei rund 25 bis 27 Prozent, in einigen ostdeutschen Ländern bei Werten um 40 Prozent. Zudem erklärte ein Unternehmer dem Handelsblatt, die Brandmauer mache „taktisch schachmatt und erpressbar“. Ein anderer beklagte, die SPD halte Regierung und Land mit ihrem Spiel um die Brandmauer „im Würgegriff“.
Der Verband wolle AfD-Politiker nun inhaltlich stellen und in direkten Gesprächen auf Widersprüche in Positionen hinweisen, so Chefin Ostermann. Politische Koalitionen mit der AfD lehnt der Verband jedoch weiterhin ab.











