Das ist ein Problem für Novo Nordisk: Die Rückgänge bei den Spritzen haben gezeigt, wie fragil ein Trend sein kann, wie schnell die Vision eines Trendsetters verblast und wie schnell Wettbewerber auf- und überholen.
Die neue Pille ist daher Fluch und Segen, Chance und Risiko zugleich für Novo Nordisk, aber auch für die Konkurrenz. Die Pille erweitert den Markt – zunächst. Mehr Zugänglichkeit bedeutet mehr Patienten, mehr Konkurrenz, mehr Preisdruck und langfristig möglicherweise geringere Gewinnspannen pro Kunde.
Hinzu kommt: Krankenkassen vor allem in Europa zögern mit der Kostenerstattung. Dadurch hält sich jenseits der USA die Zahlungsbereitschaft möglicher Patienten in Grenzen, auch wenn die Preise durch mehr Wettbewerb unter Druck geraten. Die Arzneimittel sind immer noch sehr teuer.
Zugleich sind die Erwartungen an Novo Nordisk an der Börse aus dem Ruder gelaufen. Die Aktie von Novo Nordisk war in den vergangenen Jahren enorm aufgebauscht, doch irgendwann endet jeder Hype oder Boom. An der Börse kehrt für die Aktie Normalität ein.
Das heißt: Operativ läuft es zwar gerade wieder besser, das Produktportfolio wird größer, der Markt wächst. Das reicht aber nicht, um die früheren Bewertungen zu rechtfertigen. Dazu müsste Novo Nordisk die Erwartungen übererfüllen.
Es ist fast tragisch: Novo Nordisk hat auf Basis seiner jahrzehntelangen Diabetes-Forschung ein Problem von Millionen Menschen gelöst. Und doch schaffen die Dänen damit keinen Dauererfolg. Abnehmen ist schwierig. Auch bei Erwartungen.
