19 von 20 Fällen werden nicht angezeigt

Neue Studie zeigt

Kaum jemand zeigt Gewalttaten in der Familie an

Aktualisiert am 10.02.2026 – 12:11 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein streitendes Ehepaar (Symbolbild): Eine neue Studie hat die Gewalt in Partnerschaften untersucht. (Quelle: IMAGO/Zoonar.com/Dmitrii Marchenko/imago-images-bilder)

Fast ein Fünftel der Deutschen hat schon einmal Gewalt durch den Partner erlebt. Doch für kaum einen Täter hat das Folgen.

In Deutschland kommt nur jeder 19. Fall von Partnerschaftsgewalt zur Anzeige. Das geht aus einer repräsentativen Studie des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Die reale Anzeigequote liege laut Familienministerin Karin Prien (CDU) demnach bei „deutlich unter fünf Prozent“.

Vor allem Frauen und Mädchen empfänden offenbar eine hohe Schwelle, Hilfe bei der Polizei und Strafverfolgungsbehörden zu suchen, sagte sie. Insgesamt liege die Anzeigenquote bei psychischer Gewalt bei unter drei Prozent, hieß es. Körperliche Gewalt wurde dabei von 2,7 Prozent der betroffenen Frauen angezeigt, Männer wandten sich mit 3,5 Prozent etwas häufiger an die Polizei.

Laut der Untersuchung „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ waren 23,8 Prozent der Frauen und 23,3 Prozent der Männer von psychischer Gewalt durch Partner oder Ex-Partner betroffen. Damit haben in den vergangenen fünf Jahren fast gleich viele Männer und Frauen Gewalt in Beziehungen erlebt. Körperliche Gewalt erfuhren 5,2 Prozent der Frauen und 6,1 Prozent der Männer.

Frauen erleben die Gewalt allerdings häufiger, haben mehr Angst und schätzen diese als schwerwiegender ein. Über die gesamte Lebensspanne betrachtet sind sie zudem öfter von psychischer Gewalt betroffen als Männer – mit 48,7 zu 40,0 Prozent.

Große Unterschiede zeigt die Studie bei anderen Gewaltformen: Von sexueller Belästigung waren in den vergangenen fünf Jahren 36,3 Prozent der Frauen betroffen, während es bei Männern 16,3 Prozent waren. Auch bei sexuellen Übergriffen sind Frauen mit 4,0 Prozent deutlich häufiger betroffen als Männer mit 1,4 Prozent.

Für die Studie wurden zwischen Juli 2023 und Januar 2025 fast 15.500 Menschen befragt. Sie entstand in Kooperation des BKA mit dem Innen- und dem Familienministerium. Im Gegensatz zu früheren Erhebungen, die sich meist auf Frauen konzentrierten, verfolgt die aktuelle Untersuchung eine geschlechterübergreifende Perspektive, um ein umfassenderes Bild von Gewalterfahrungen in der Bevölkerung zu erhalten.

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