19 Arbeiter durch Bleistaub vergiftet – Stadt in Erklärungsnot

Stadt weist Schuld von sich

Wohl Vergiftungen bei Arbeit an „Gorch Fock“


29.01.2026 – 12:59 UhrLesedauer: 2 Min.

Die „Gorch Fock“ (Archivbild): Auch bei der Restaurierung des Segelschiffs kam es wohl zu Bleivergiftungen. (Quelle: B. Lindenthaler/imago-images-bilder)

Bei Wartungsarbeiten an der „Gorch Fock“ sind gefährliche Chemikalien ausgetreten. Die Stadt Stralsund gerät in Erklärungsnot.

Vergiftungsfall in Stralsund: Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGuS) mitteilte, sind insgesamt 19 Arbeiter der ehemaligen Werft Fosen von der Kontamination betroffen. Das Amt geht davon aus, dass es zu der Bleivergiftung im Herbst 2023 kam – also genau in dem Zeitraum, als die beiden Traditionssegler „Gorch Fock 1“ und „Greif“ in dem Werk überholt wurden. Zuerst hatte der NDR berichtet.

Wie der Sender berichtete, kam es zu der Vergiftung wahrscheinlich durch Blei in Staubform, beim Entfernen von Farbanstrichen. Im Gespräch mit dem NDR erhebt ein Betroffener schwere Anschuldigungen gegen Stralsund: Die Stadt hätte schon im Vorfeld über die mögliche Bleibelastung bei den beiden Schiffen informieren müssen. Da dieses Wissen gefehlt habe, seien die Arbeiter bei den Reparaturarbeiten nicht ausreichend geschützt gewesen.

Die Stadt widerspricht dieser Darstellung laut dem Bericht. Die Belastung der Schiffe sei im Vorfeld nicht bekannt gewesen.

Das LaGuS hatte seine Untersuchung wegen gesundheitlicher Beschwerden bei mehreren der ehemaligen Arbeiter der Fosen-Werft eingeleitet. Gleichzeitig gab das Amt in seiner Mitteilung auch Entwarnung: Hinweise auf chronische Folgen der Vergiftungen gebe es bisher nicht.

Stralsund hat das betroffene Werftgelände vor vier Jahren gekauft – mit dem Vorhaben, auf der Anlage einen maritimen Industriepark zu entwickeln. Schon in der vergangenen Woche habe das LaGuS die Stadt Stralsund dazu aufgefordert, die Mieter über die Verunreinigung zu informieren.

Ein von den Pächtern in Auftrag gegebenes Gutachten aus dem Januar kommt laut NDR zu dem Ergebnis, dass die Halle noch immer belastet ist. In Teilen des Gebäudes sei die Belastung „extrem kritisch“. Laut dem Medienbericht hat die Stadt inzwischen ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben.

Bleivergiftungen können zu Beschwerden im Magen-Darm-Bereich führen, aber auch in chronischen Krankheiten resultieren. Herz-Kreislauf-Probleme, Beeinträchtigungen des Nervensystems oder Krebs sind mögliche Folgen.

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